23. Finale! Mammoth – Bishop

1. Tag

Wir hängen noch einige Zeit im Hostel in Mammoth rum, bevor wir zu dritt zurück zum Trail hitchen: Shauna, Super Jay und ich. Am Weg liegen hier die berühmten Gesteinsformationen „Devils Postpile“, sechseckige meterhohe Granitsäulen.

Den Rest des Tages geht es sanft bergauf. Der Rucksack ist wieder mal mit sechs Tagen Essen beladen und entsprechend schwer. Ich zelte an einem See, Shauna und Jay sind mir nach dem Mittagessen irgendwie verloren gegangen…

2. Tag

Nach einer eisigen Nacht führt der Trail zunächst lange bergab ins Tal herunter. Ich folge dem Fluss, bis es ins nächste Tal hoch geht. Am Ende des Tales liegen wunderbare Bergseen, eingerahmt von steilen schroffen Bergspitzen.

Und wieder geht es runter, und -wer hätte es gedacht- ein letztes Mal für heute heftig bergauf. Inzwischen doch gut müde will ich mich ein wenig ablenken und Hörbuch hören, eine falsche Taste gedrückt und schon ist das gute Stück statt gestartet nun gelöscht… Also wohl Natur pur für die nächsten 5 Tage!

Ich zelte direkt am Fluss Bear Creek, und freue mich als beim Abendessen Super Jay noch ins Lager hoppelt! Da es so viel Steigungen gibt habe ich brav meine Knie Bandage getragen – die leider inzwischen so dreckig ist, dass sie mir die Haut vom Knie schmirgelt.

3. Tag

Was für eine geniale Strecke heute! Direkt geht es bergauf über den Seldon Pass. Eine unglaubliche Aussicht auf den darunter liegenden See!

Dann ewig bergab an der John Muir Ranch vorbei. Die Schlucht des San Joaquin Rivers zeigt sich in ihrem schönsten Herbstkleid, die Espen schmücken das Flussufer mit leuchtend goldenen Farbklecksen.

Weiter geht es bergauf am berüchtigten Evolution Creek entlang. Dieser ist zur Zeit der Schneeschmelze richtig gefährlich, vor zwei Jahren ist eine Hikerin hier ertrunken… Für uns ist die Querung einfach, das Wasser ist nun kaum knöcheltief. Es fällt manchmal schwer sich vorzustellen, durch welche Gefahren sich die Wanderer hier noch vor nur 2 -3 Monaten gekämpft haben, mit Schnee und reißenden Flüssen… Ich war ja geflipped, bevor ich auf die richtig drastischen Passagen gestoßen wäre.

Abends finden Jay und ich eine tolle Zeltstelle mit Premium-Blick auf das Tal und den sternenübersähten Himmel. Dieser Tag war einfach perfekt!

4. Tag

Der Morgen beginnt mit einem knackigen Abstieg auf den Muir Pass. Es ziehen immer mehr Wolken auf. Vor dem dem Pass bietet sich ein unglaubliches Bild: Im glasklaren Wasser der Seen ergibt sich ein perfektes Spiegelbild der Berge und Wolken! Wir legen spontan eine Tee Pause ein und bewundern das Spektakel voller Staunen.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Pass. Die Muir Nothütte lädt zu einer weiteren Pause ein.

Danach geht es lange bergab, die Wolken werden immer dunkler und wir befürchten schon Regen.

Wieder findet sich ein Zeltplatz mit tollem Talblick. Zum Glück klart der Himmel wieder auf, bei den felsigen Untergrund steht mein Zelt so schief, dass ich beim kleinsten Schauer wohl klatschnass geworden wäre.

Ein neugieriger Pika

5. Tag

Direkt geht es heute steil die „golden Staircase“ hinauf zu Mather Pass. Die Berge bestehen hier aus schneeweißen Steinen, die bis in den wieder leuchtend blauen Himmel ragen. Ich fühle mich wie Hans Wundersam, der eine steile Stiege in den Himmel empor klettert um einen kleinen Engel zurück nach Hause zu bringen… Der Aufstieg will schier kein Ende nehmen, aber schließlich oben angekommen ist die Aussicht auch wirklich wieder Mal himmlisch!

Es folgen 4 Meilen bergab über weitere Millionen Treppenstufen, meine Beine werden immer müder und wir kommen in den Geröll runter kaum schneller vorwärts als hinauf. Das Tal leuchtet von glutroten und goldenen Gräsern, es ist herrlich!

Nach einer Mittagsrast am Fluss folgen 4 Meilen bergauf auf dem Pinchot Pass.

Im Schneckentempo quälen wir unsere müden Glieder bergauf. Um 16 Uhr erreichen wir den Pass, und haben erst 17 Meilen zurück gelegt! In anderen Terrain habe ich das locker bis zum Mittagessen geschafft. Wir beeilen uns, noch ein paar Meilen zu laufen, bevor wir die Zelte aufschlagen. Um halb sieben ist es inzwischen stockdunkel, zum Glück die letzten Tage aber nicht sehr kalt, mollige 3-5 Grad in der Nacht.

6. Tag

Wir stehen extra früh auf, weil wir es heute bis zum Parkplatz Onion Valley schaffen wollen um in den Ort zu kommen. Jay hat bereits kein Essen mehr, zu seinem Glück bin ich wie immer übersparsam und habe noch genug für zwei Leute übrig.

Zehn Meilen laufen wir bergauf zu Glen Pass. Dabei kommen wir an den Reese Lakes vorbei. Ein Traum! Türkisblaues Wasser, Sandstrand an der einen Seite und senkrecht aufragende Felswände auf der anderen.

Hier treffen wir viele schwerst bepackte Hiker, scheinbar ein beliebtes Ziel für Wochenendwanderer. Die letzten Meilen den Pass hoch haben es in sich, die Serpentinen werden immer steiler und steiniger. Oben angekommen geht es entlang einer schmalen Felskante, ein unglaublich stärker und kalter Wind erlaubt leider keine Pause. Völlig verfroren steigen wir direkt wieder ab. Schließlich kommen wir zum Seitentrail Richtung Parkplatz. Dieses Tal habe ich im Frühjahr schon gesehen, erkenne es aber kaum wieder! Wo damals noch meterhoch der Schnee lag sind nun Wiesen und Seen sichtbar.

Goldener Oktober...
Goldener Oktober…

…dasselbe Tal im Juni

Schließlich erklimmen wir Kearsage Pass: Damit habe ich offiziell meinen Trail beendet und die gesamten 2650 Meilen (oder 4240 Kilometer) erwandert! (naja, abgesehen von ca 100 Meilen).

Die Sierra Crew: Dreamwalker und SuperJay

Immer noch stürmt es heftig und eisig, ein paar Fotos schaffen wir, dann geht es noch eine Stunde steil bergab bis zum Parkplatz. Von dort aus bekommen wir schnell eine Mitfahrgelegenheit nach Bishop, wo es natürlich ins Hostel California gehen. Abends geht’s noch ins die Brauerei auf Burger und live Musik.

Ich kann es gar nicht fassen, dass das nun das Ende sein soll. Bis vor kurzem habe ich sehr darauf hingefiebert, war müde und konnte es kaum erwarten, fertig zu sein. Nun würde ich gerne weiter die genialen Berge hier erkunden, die Rückkehr ins „normale Leben“ noch etwas herauszögern… Ich beschließe daher, noch als Sahnehäubchen das Stück des PCT bis Mount Whitney zu laufen. Wer hätte das gedacht…


2 Gedanken zu “23. Finale! Mammoth – Bishop

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s