24. Extratour: Bishop – Mount Whitney

Wir bleiben 3 Nächte in Bishop und verbringen unsere Zeit mit Essen, rumhängen und Retro-Filme im Hostel schauen. Sehr entspannt!

1. Tag

Wir hitchen wieder zu dritt zurück zum Trail: My Sharona (=Shauna), Super Jay und ich. Nun müssen wir wieder Kearsage Pass erklimmen. Von nun an bin ich auf vertrauten Pfaden unterwegs… Der Weg wimmelt von Tages- und Wochenendetouristen. Zu meiner Freude sind wir aber trotz Gepäck deutlich flotter unterwegs und hängen die Meute plappernder Wanderer schnell ab. Auf dem Pass Essen wir Mittag und genießen den phänomenalen Blick. Da ich nur 3 Wandertage vor mir habe, habe ich mir einige Leckereien eingepackt: in Käse gebackener Mais, Gemüsechips, in Schoko gehüllte Kaffeebohnen… Nun geht es runter am Bullfrog Lake entlang, dann weiter hinunter ins Tal. Dem Tal folgen wir nur noch ein paar Meilen bergauf, dann schlagen wir schon unser Lager auf.

Da wir ohnehin die Nacht vor der Besteigung Mount Whitneys bei der Ranger Station Crabtree Meadows übernachten müssen, können wir uns die 2 Tage davor viel Zeit lassen. Es ist furchtbar kalt und wir sitzen zitternd vor den Zelten, kochen Abendessen und können es gar nicht erwarten, in die warmen Schlafsäcke zu schlüpfen. Ich koche zum ersten Mal eine Outdoor-Fertignahrung: eine Tüte „Himalaya Reis mit Curry-Gemüse“, wohlig-warmer Luxus! Als ich auch den allerletzten Rest aus der Tüte trinken will, gieße ich mir den ganzen Krempel gekonnt über den Leib und verwandelte mich in einen wahren Bärenköder… Jay bekommt sich vor Lachen kaum noch ein. Zum Glück trage ich wegen der Kälte Regenhose und -Jacke.

2. Tag

Auch morgens ist es noch eisig. Es geht nun stetig das Tal hinauf. Die Bergwände rücken immer näher und ragen schließlich steil in den Himmel auf. Schließlich geht der Weg in steilen, steinigen Serpentinen den Berg rauf. Alle hundert Meter bleibe ich nach Luft schnappend stehen -Forester Pass ist immerhin mit 13123 feet die höchste Stelle des PCT!

Oktober auf dem Forester Pass
Forester Pass (Oktober)
Forester Pass (Juni)

Als ich im Frühjahr hier war, glich der Aufstieg durch Schnee und Eis einer Himalaya Expedition und alle erfolgreichen Hiker wurden von den anderen auf der Spitze wie Helden begrüßt. Richtig Partystimmeng und eine gutes Gedränge! Nun sind wir ganz alleine, sitzen lange in der Sonne genießen die Ruhe und Fernsicht.

Auch der Abstieg ist nun ohne Schnee ein Zuckerschlecken im Vergleich und wir erreichen schnell das Tal.

An einem kleinen Bach warten wir auf MySharona, die heute früh etwas länger gebraucht hat um in der Kälte los zu kommen. Wir nutzen die Zeit zum gemütlichen Tee trinken, Süßkram futtern, und beobachten eine kleine Forelle (oder so), die fleißig nach Insekten jagt. Ich will großzügig mein überzähliges Essen an Jay verschenken und biete ihm eine Packung Algenpulver an, die ich mal in einer hikerbox aufgesammelt hatte. Er grinst: „Da hast du wirklich schon von gegessen?“ Es handelt sich um hochkonzentrierter Pflanzendünger! Da bewährt es sich, einen sachkundigen Farmer zur Hand haben…

Am Nachmittag müssen wir nun doch Tempo zulegen. Aber die Strecke ist weiterhin wunderschön.

Wir zelten wie geplant zu dritt bei der Ranger Station Crabtree Meadows. Wieder eine kalte Nacht. Aber ich schaffe es heute, mein Backpacker- Meal unfallfrei zu essen.

3. Tag

Happy Birthday Dreamwalker!! 😄 Ursprünglich wollten wir zu Sonnenaufgang auf Mount Whitney sein. Aber wegen der Kälte gehen wir doch erst im ersten Morgenlicht gegen 7 Uhr los. Wie folgen dem Tal aufwärts. Es geht vorbei an Guitar Lake, und schließlich unzählige Serpentinen die Talseite hoch.

Jay ist schon weit voraus, My Sharona und ich schnaufen im Duett hinterher. Der Weg ist nicht übermäßig steil, aber lang und die Luft dünn. An der Kreuzung zum Gipfel kann ich endlich Gewicht abladen. (Da die anderen beiden wieder zu Crabtree zurückkehren werden, konnten sie mit Tagesgepäck laufen). Rucksack und Essen nehme ich mit, den Rest des Gepäcks lasse ich in einer großen Mülltüte hier. Endlich läuft es sich leichter. Der Weg ist spektakulär, entlang messerscharfer Berggipfel mit Blicken auf das nun tief tief unten liegende Tal und Guitar Lake.

My Sharona

Endlich erreichen wir den Gipfel: Mount Whitney, mit 144475 feet der höchste Berg der USA (ausgenommen Alaska)!

Grandiose Aussichten ringsherum. Unvorstellbar! Nach einer gebührenden Ruhepause und unzähligen Photos zieht My Sharona plötzlich einen Keks aus der berühmten Bäckerei in Bishop samt Kerze aus der Tasche… Ich bekomme ein Geburtstagslied gesungen, eine andere Hikerin kommt mit einer Flasche Whiskey dazu, und es steigt eine richtige kleine Fete!

Geburtstagsfete, was für ein Finale!

Danach fällt der Abschied doppelt schwer, aber ich muss mich auf den langen Weg zum Parkplatz machen. Die anderen werden zurück nach Crabtree Meadows laufen, und am Folgetag weiter Richtung Süden. Auch erfülle ich noch meine Mission und verstreue die Asche, die mir der traurige Mann vor einer gefühlten Ewigkeit mitten in den Bergen Washingtons anvertraut hat. Trotz vieler Hürden habe ich mein Versprechen gehalten, und hoffe sein verstorbenes Kind findet an diesem besonderen Ort eine gute Ruhestätte…

Nun muss ich mich ordentlich beeilen. Am der Kreuzung belade ich wieder meinen Rucksack -und entdecke zu meinem Ärger, dass einige Leute ihren Abfall in meinen Müllsack gesteckt haben. So eine Frechheit! Nun geht es stundenlang bergab.

Steil und geröllig komme ich nur langsam vorwärts. Ich bekomme schon Angst, es heute nicht rechtzeitig zum Parkplatz zu schaffen, um noch eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Da komme ich an Carolyn vorbei: eine 69 jährige Dame, die Whitney als Tageswanderung gemacht hat. Unglaublich, das muten sich die wenigsten Leute zu, ist der Aufstieg von der Ostseite doch unfassbar lang und anstrengend! Carolyn ist auch schon seit 4 Uhr früh unterwegs und hundemüde. Trotzdem bietet sie mir sofort eine Mitfahrgelegenheit bis Bishop an, und ein Bett für die Nacht! Ganz selbstverständlich steht sie am nächsten Tag um 6 Uhr auf, um mich zu meinem Bus zu bringen. Was für ein Geburtstagsgeschenk…

Das perfekte Ende für eine unglaubliche Reise!

Es gab viele gute Zeiten, mit wunderbaren Landschaften, und unglaublich tollen Leuten. Auch gab es viele sehr schwere Zeiten, besonders als ich dachte, den Trail verlassen zu müssen. Umso dankbarer bin ich, dass ich letztlich die gesamte Strecke laufen konnte! Ich habe gelernt, im richtigen Moment die Zähne zusammen zu beißen, und zur rechten Zeit umzukehren, auch wenn das manchmal noch viel schwerer war.

Und ich weiß, dass dies sicher nicht mein letzter Thruhike sein wird… Happy trails!


2 Gedanken zu “24. Extratour: Bishop – Mount Whitney

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