21. South Lake Tahoe – Kennedy Meadows North – Tuolumne Meadows

Lake Tahoe ist super touristisch, und entsprechend super teuer. Hier beginnen die Zimmer Preise bei 100$ die Nacht. Ich beschließe daher, nicht in der Stadt zu bleiben. Ich öffne gerade mein Pakete Chaos, als mich in der Post plötzlich eine Frau anspricht. Sie heißt Lynn und fragt, ob ich ein PCT hiker sei, und ob ich ggf eine Unterkunft suchen würde. Sie lädt mich und noch eine hikerin (Tink) inklusive deren Hündin (Indy) zu sich nach Hause ein! Lynn selbst wohnt in winzigen Anbau, wir bekommen das ganze Haus inklusive 3 Schlafzimmer für uns. Den Tag vergammeln wir faul auf dem Sofa, abends kommen wir uns sogar das Auto von Lynn borgen um einkaufen zu fahren! Abends genießen wir einen riesen Berg Nudeln und teilen eine Flasche Rotwein, die Tink von ihren Hitchhiking Leuten geschenkt bekommen hat. Manchmal ist es wirklich unfassbar, wie gut die Menschen sind!

1. Tag

Es ist so gemütlich im Haus, dass es mir schwer fällt wieder zu gehen. Gerne würde ich mit Tink und Indy weiter laufen. Sie sind beide super nett! Aber laufen nur ca 20 Meilen am Tag, was für mich etwas knapp würde. Schade!

Um zehn Uhr stehe ich wieder auf dem Trail. Mein Hitchhiking Mensch war derart unsympathisch (Klimawandel ist von feindlichen Regierungen erfunden, Ausländer sind alle böse und Waffen lösen alle Probleme), dass ich froh bin auszusteigen. Es geht Mal wieder kräftig bergauf. Mein Rucksack ist ungewohnt schwer. Zwar habe ich nur Essen für 4 Tage mit, aber auch die neue schwerere Isomatte, Winterkleidung und den von nun an benötigten Bärenkanister, der übel sperrig ist und ein stolzes Eigengewicht von 1,5 kg hat. Der Weg führt durch weite Täler und an Bergkanten entlang, sehr schön!Am späten Nachmittag geht es über einen Höhenrücken. Es stürmt kräftig und ist daher gut kalt. Aber der Sonnenuntergang ist phänomenal! Die schroffen Berge in der Ferne werden zunächst dramatisch zinnoberrot angestrahlt, schließlich leuchten die in gleißendem Pink.

2. Tag

Wunderbar auf der neuen Isomatte geschlafen, warm und weich, und ohne Unterbrechung, herrlich! Ich komme am dem tollen zackigen Bergen vorbei, die gestern so schon im Abendrot leuchteten. Sie erinnern mich an riesige, schlafende Drachen…

Abends zelte ich scheinbar auf einen Kuh-Rastplatz, überall liegen Fladen rum, und mein Zelt wird wohl geraume Zeit ein besonderes Aroma verströmen – wer weiß, vllt hält es die Bären fern.

3. Tag

Die Strecke ist heute wunderschön und anstrengend. Es geht viel auf und ab. Auch sehe ich heute einige Rehe, die überhaupt nicht scheu sind. Die lassen mich bis auf wenige Meter herankommen, um dann plötzlich doch in riesen Sprüngen wie Flummi Bälle davon zu dotzen.

Am Nachmittag erreiche ich den Highway und hitche in das Resort Kennedy Meadows North. Hier Fülle ich meinen Bären Kanister mit neuem Essen. Das meiste kann ich aus der hikerbox nehmen. Die ist randvoll mit Essen, da sich viele Hiker hier Pakete hin senden, und meist zuviel. Gut für mich Sparschweinchen. Noch am selben Abend hitche ich zurück zum Trail. Am Samstag soll ein Schneesturm über die Sierras fegen. Bis dahin möchte ich es in das nächste Resort schaffen, Tuolumne Meadows. Es wird mein nettester hitch! Der Autofahrer ist total begeistert von der Reise. Er stellt viele interessierte Fragen und möchte mir unbedingt irgendetwas zur Unterstützung schenken, seine zahllosen Angebote reichen von Zahnstochern bis hin zu seinem eigenen Schweizer Taschenmesser „um dich zu verteidigen“. Total lieb! Am Schluss kann ich ihn auf zwei Stücke Käse runter handeln…

4. Tag

Es geht hoch in die Berge! Ich steige bis auf 10800 feet auf. Die Berge sind völlig kahl und von rostrotem Geröll bedeckt. Es läuft sich anstrengend, aber die Aussicht ist grandios! Auch gibt es ein letztes Schneefeld zu queren.

Leider ist man selbst auch auf Meilen von auf dem Präsentierteller, sehr ungünstig, wenn man eigentlich Mal dringend muss… Da hilft alles nichts und wen es stört der muss woanders hinsehen! Schließlich geht es ins Tal runter und an mehreren Seen entlang. Ich betrete die Yosemite Wilderness und schlage im Dunkeln mein Zelt auf.

5. Tag

Es für ein Tag! Absolut unglaublich schön! Ich kann es gar nicht fassen, aber auch sehr sehr anstrengend. Steil ragen immer wieder weiß leuchtende Berge voll Granitgestein auf, die es zu weiteren gilt, da der PCT quer zu den Gebirgsfalten geht.

Der Weg ist felsig und steil, es wird der bisher anstrengendste Tag der gesamten Wanderung! Auch ist es sehr warm, ich schwitze und trinke wahre Wassermassen.

6. Tag

Meine Beine fühlen sich am Morgen wie zwei wabbelige, kraftlose Keulen. Zum Glück gibt es morgens nur noch zwei Pässe, der Rest des Tages ist sehr flach.

Die Landschaft ist nun sehr anders, weite Täler mit breiten Flüssen und den Bergen im Hintergrund. Auch komme ich an einigen schönen Wasserfällen vorbei.

Hier treffe ich auch auf einige Tages- und Wochenendtouristen. Ich werde gewarnt: Am nächsten und dem folgenden Tag soll ein Schneesturm durchziehen, die Straße zu Tuolumne Meadows still für 2 Tage gesperrt werden! Ich verbringe die Nacht in Tuolumne Meadows auf dem Campingplatz. Ich schlafe schlecht. Weiß nicht, was ich machen soll am nächsten Tag…

7. Tag

Morgens ist es schon deutlich kälter, Schnee und Hagel ziehen durch. Zwei andere Hiker und ich beschließen, in den Ort Lee Vining zu gehen bis das Unwetter vorbei ist. Hier teilen wir uns schließlich zu fünft ein Zimmer: Blade, Super Jay, Yahzee, Archive und ich.


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