18. Mt Shasta – Burney – Chester

Es fällt mir schwer, mich vom Hostel aus los zu reißen. Gerne hätte ich einen vollen Tag ausgeruht und wäre noch eine Nacht geblieben. Manchmal verwünsche ich den verdammten Zeitdruck…

1. Tag

Doch gegen Mittag stehe ich dann wieder auf dem Trail. Es geht lange und viel bergauf, wie so oft nach der im Tal liegenden Stadt. Die Strecke ist wenig spannend, lichter Kiefernwald. Heimlich still und leise machen sich auch erste Anzeichen des Herbstes bemerkbar.

Ich stelle fest, ich habe vergessen, mein Hörbuch aufs neue Telefon zu übertragen. Das wird eine anstregende Etappe! Ein heftiger Schmerz reißt mich aus dem trüben Gedanken. Irgendetwas hat mich in die Wade gestochen, vermutlich eine Bremse. Es ist schon stockdunkel, als ich um 8 mein Zelt aufschlage. Der Stich schmerzt noch immer und lässt mich nicht einschlafen.

2. Tag

Wieder gibt es viel viel Wald. Ich wünsche ich hatte ein wenig Ablenkung, nach Monaten wird es im eigenen Kopf wirklich etwas ätzend. Doch auch ein schönes Flusstal liegt heute auf der Strecke.

Wieder umschwirren mich die nervigen Gnats. Als sie mir die Nase hochfliegen wird es mir zu bunt, das Mückennetz kommt wieder zum Einsatz. Leider sehe ich damit nicht wirklich gut, stolperte viel und schlage mir gründlich das Knie auf. Ab mittags geht es lange bergauf, dafür warten abends tolle Aussichten und ein wunderbarer Sonnenuntergang auf mich!

3. Tag

So anstrengend! Morgens geht es viel auf und ab. Nie viel, aber wie auf der Achterbahn, ohne Pause. Ich habe das Gefühl, gar nicht vorwärts zu kommen. Eine unschuldige kleine Blase am Zeh hat sich außerdem entzündet, ist nun dick und lila und tut übertrieben höllisch weh. Wieder endloser hügeliger Wald, es sieht fast aus wie zu Hause im hessischen Odenwald.

Ich hoffe die letzten 3 Meilen bis Burney Falls State Park auf der Straße mitgenommen zu werden, aber es ist bereits später Abend und kein Auto mehr unterwegs. Fix und fertig endlich am Park angekommen, muss ich auf dem kommerziellen Zeltplatz einen Platz für die Nacht buchen. Als die nette Frau an der Kasse meint, mein Platz sei „nur“ 15 Minuten zu Fuß entfernt, breche ich fast in Tränen aus. Sie sieht mich groß an. Ich murmele nur, ich sei extrem müde und humpele weiter.

4. Tag

Ich beschließe zum Ausgleich für die Tortur gestern, die letzten 7 Meilen bis zum Highway heute auszulassen und lasse mich per Anhalter nach Burney mitnehmen. Sicher ist das auch für meine entzündete Blase nicht so dumm, die heute keinen Deut besser aussieht als gestern und fröhlich vor sich hin eitert. Wie so oft ist mein Autofahrer total beeindruckt von der Reise. Er will mir partout Geld fürs Frühstück schenken. Ich versuche es höflich abzulehnen. Bis er gutmütig behauptet, er habe es gerade erst im Kasino gewonnen, und ich einfach nicht mehr nein sagen kann… So nett! In Burney kann ich für den Tag in der Kirche unterkommen. Hier dusche ich und mache mein Mittagessen. Auch finde ich Mineralsalz, in dem ich meinen entzündeten Zeh baden kann.

Ich beschließe spontan, doch am Abend schon wieder aufzubrechen. Denn im nächsten Abschnitt liegt der 20 Meilen lange Lassen Volcanic National Park, in dem man ohne Bärenkanister nicht übernachten darf. Entsprechend muss man die Tagesabschnitte geschickt anpassen. Ich laufe noch 3 Stunden. Wunderschöne flache Ebene mit goldenen Gräsern und überall Vulkangestein dazwischen.

Ich genieße einen wunderbaren rosaroten Sonnenuntergang und Cowboy campe unter Millionen Sternen. Ich bin glücklich, hier draußen sein zu dürfen!

5. Tag

Endlich sieht mein Zeh wieder nach was Zehähnlichem aus, die Entzündung schwindet langsam… Heute geht es die meiste Zeit des Tages an Hat Rim entlang, einer Ebene, die mit steil abfallender Kannte über dem Tal thront. Das Tal wurde durch einen riesen Vulkanfluss geschaffen!Das Laufen ist leicht, ich bin froh, dass die irre Hitze vorbei ist, denn hier gibt es kaum Schatten und wenig Wasser. Da ist die Freude riesig, als ich auf trailmagic stoße, Drinks und Hotdogs. Wie so oft leider wenig Vegetarier-freundlich, aber trotzdem toll! Auch habe ich „Die Jungs“ wieder eingeholt. Sie sind bereits seit dem Vorabend beim Trailmagic stecken geblieben…Am Nachmittag geht es endlich runter ins Tal. Hier nehme ich einen kleinen Umweg in Kauf, um mir die eindrucksvolle Lava Höhle „Subway cave“ anzusehen.6. Tag

Heute steht der Nationalpark an! Ich habe große Erwartungen, endlich Abwechslung -und werde enttäuscht: Viel Wald. Davon auch Einiges verbrannt. Erst auf den letzten Meilen komme ich an ein paar vulkanischen Sehenswürdigkeiten vorbei, ein heißer See und ein kleiner Geysir. Ganz nett, aber nicht gerade spektakulär. Dafür sammele ich heute zur Abwechslung mal extra Meilen: Ich biege falsch ab und bemerke meinen Fehler erst nach einer satten Stunde Stunde bergauf laufen… SOnst gab es ja meist nur einen Trail, hier im Nationalpark aber jede Menge, und das so überausführlich ausgeschildert, dass man völlig verwirrt wird. Später höre ich, dass ich hier nicht die einzige Verpeilte war, das besänftigt mich etwas.7. Tag

Heute Nacht hat es geregnet und auch morgens hängen die Wolken bedrohlich tief. So beeile ich mich, die letzten paar Meilen in die Stadt zurück zu legen. Pünktlich zum Mittagessen und mit einsetzendem Regen betrete ich das Café in Chester. Wieder bietet die Kirche kostenloses Camping in Hof an. Leider residiert hier auch ein Obdachloser, der Gras rauchend und wild halluzinierend über die Veranda hopst. Ich bin doch froh, als nachmittags noch andere Hiker dazustoßen…


Ein Gedanke zu “18. Mt Shasta – Burney – Chester

  1. Hey Dreamwalker, du schlägst dich tapfer. Erinnert mich an die endlosen up and downs in den Beaverhead Mountains. Da tat es so gut, den Hikerfrust abzulassen und dir die Ohren voll zu heulen ( danke für deine Großmut). Wenn du niemanden als Blitzableiter dabei hast, hilft auch lautes Fluchen!!! Never give up…. we are strong hikers

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