17. Ashland – Etna – Mt Shasta

In Ashland bleibe ich zwei Nächte im schönen und günstigen Ashland hostel. Genug Zeit für die nächste Reparatur: mein Handy Bildschirm spinnt. Im Reparaturgeschäft heißt es da kann man nichts mehr machen. Mein Telefon ist hier für mich überlebenswichtig, vor allem als Navigationsgerät und für den Kontakt nach zu Hause unverzichtbar. Also muss ein neues her. Leider sind wohl die meisten in den USA käuflichen Telefone in Deutschland nicht nutzbar, hat was mit Signal Frequenzen zu tun. Oder so. Zum Glück habe ich meinen überaus geduldigen Vater als Fernfunk-Fachmann zur Unterstützung. Danke 1000x!! So schaffe ich es nach stundenlangem hin und her, ein Gerät in den nächsten Ort Etna zu bestellen.

Ashland – Etna

1. Tag

Es ist glühend heiß, über 40 Grad. Als mir meine Mitfahrgelegenheit Anbieter, mich ein paar Meilen weiter den Berg hochzufahren, da kann ich wünsch nicht widerstehen. Hier oben erwartet mich neben meinen schlechten Gewissen eine schöne Aussicht, Blumenwiesen – und schon nach 2 Stunden laufen trailmagic!

Ich genieße es, heute oft mit Aussicht zu laufen, freue mich aber auch über jede schattenspendende Baumgruppe. Heute treffe ich tatsächlich einen PCT hiker, der aus meinen Nachbarort Traisa kommt, 5 Minuten Fußweg zu meinen Haus, irre… Am späten Nachmittag überquere ich die Grenze zwischen Oregon und Kalifornien. Endlich, ich bin zurück: Nur noch ein halber Staat zu laufen!

California here we come, right back where we started from…

2. Tag

Wieder eine irre Hitze, selbst am frühen Morgen rinnt mir beim Rucksack packen schon der Schweiß. Es geht viel auf und ab, dabei gibt es wenig Schatten und für Wasser muss man extra zu Quellen absteigen, sodass ich damit haushalte und ordentlich dehydriere.

Mittags beschließe ich daher, die Abkürzung in den winzigen Ort Seiad Valley über eine Schotterstraße zu nehmen. Schon nach 1h kommt ein Auto vorbei, ein Hiker sitzt schon drin. Die Versuchung ist zu groß bei der Hitze, ich steige ein. Schande über mich! Aber 1/2 Stunde später in dem klimatisierten Laden ein Eis essend bin ich froh über meine Entscheidung. Dafür laufe ich bis spät in den Abend weiter.

3. Tag

Ich merke, dass es langsam herbstlich wird. Die Tage werden kürzer, jeden Tag stehe ich im Dunkeln auf, laufe im ersten Dämmerlicht los, baue mein Zelt in Zwielicht auf und esse im Dunkeln zu Abend. Heute geht es ganze 17 Meilen bergauf. Zunächst durch ein schönes tief eingeschnittene Tal, dann in Serpentinen den Berg hoch.

Ein schönes Tal

Eine üble Schufterei. Erst zum Mittag komme ich oben an, ziemlich erledigt. Hier treffe ich einige andere Wanderer, die ich seit 2 Tagen immer Mal sehe: waistdeep, Nick und miaumiau (USA), cozy cat (Südafrika) und Pavlov (Australien). Es ist schön, Gesellschaft zu haben. Die Strecke bleibt anstrengend, so schlage ich erst spät mein Zelt auf.

4. Tag

Endlich lässt die Hitze etwas nach. Weiterhin ist die Strecke sehr schön, heute durchquere ich die marble mountain wilderness. Es gibt wunderbare Berge zu bestaunen.Da heute nur noch 20 Meilen übrig sind, kann ich ganz entspannt laufen. Gegen 3 Uhr komme ich zur Straße. Wenig Verkehr, doch nach 1/2 Stunde nimmt mich jemand mit nach Etna. Hier übernachte ich in der Hiker Hut, einer Art Hostel. Eigentlich will ich im Garten zelten, das ist günstiger. Doch ich habe wohl den Armes Mädchen Bonus, und bekomme ein Bett in der Hütte zum selben Preis angeboten, danke!! Mein neues Telefon ist angekommen. Ich als Technik-analphabet bin extrem stolz, das ich es selbst eingerichtet bekomme. Nur meine Sim Karte passt nicht, ich kann es kaum glauben. Der Technik-Kampf wird wohl im nächsten Telefongeschäft weitergehen.

Etna – Mt Shasta

5. Tag

Am Morgen skype ich noch mit der Familie, das ist immer schön. Dann hitche ich zurück zum Trail. Ein nettes älteres Ehepaar nimmt mich mit. Der Mann ist ganz entzückt, weil er Vorfahren aus Deutschland hat. Aufgeregt gestikuliert er wild beim Sprechen, das Auto schlingert munter von einer Fahrbahnseite zur anderen. Ich bin wohl etwas blass um die Nase, denn beim Abschied drückt mich die Frau herzlich, und raunt mir vertraulich zu: „Ich habe auch immer Angst beim Fahren…“. Die Strecke heute ist sehr schön, es geht viel auf und ab.

6. Tag

Heute laufe ich durch die Trinity Alps, wunderbare Berge, dazwischen überall rotgoldene Sandsteine. ich genieße die Strecke sehr. Allerdings auch gut anstrengend. Ich freue mich weiterhin „die Jungs“ immer wieder Mal zu sehen. Sie laufen viel schneller als ich, gönnen sich dafür aber auch mehr Pausen und bleiben regelmäßig in den Orten hängen…

Fleisch fressende Pflanzen!

Ich übernachte mit genialer Aussicht und einem unglaublichen Sternenhimmel und Cowboy campe endlich Mal wieder – prompt werde ich die ganze Nacht von Mücken genervt.

7. Tag

Was für ein Tag! Leichte Strecke mit nur sanften Steigungen und unglaublich tolle Aussichten. Den Großteil des Tages präsentiert sich stolz Mt Shasta in der Ferne. Um ihn turnt der PCT bereits seit Ashland herum, in so weitem Bogen, dass der Trail eine Weile sogar zurück nach Norden führt!Am Nachmittag bewundere ich außerdem Castle Crags, einen schroffen, schneeweißen Bergzug inmitten seiner sattgrünen, sanfter geschwungenen Verwandten.8. Tag

Ich habe gut Strecke gemacht die letzten Tage, sodass heute nur noch 14 Meilen bis zur Straße übrig sind. Links und rechts des Weges sind dichte Büsche. Beim vorbeigehen entschweben ihnen Wolken kleiner Fliegen, die mir fortan unentwegt um den Kopf surren. Die beißen oder stechen nicht, sind aber unglaublich nervig und kriechen in Augen und Ohren. Zum Glück habe ich noch mein Mückennetz dabei…

Mittags komme ich zur Straße. Ich nehme den bis nach Mount Shasta, ein Touri-Ort, der auch von Hexen und Zaubermeistern gut besucht scheint – überall sind Heilkristalle, Bücher über Mondrunen und sogar waschechte Zauberstäbe erhältlich! Ich begnüge mich damit, meine weltlichen Angelegenheiten zu regeln: Selle endlich mein neues Handy fertig, gehe einkaufen und Essen. Schließlich, es ist inzwischen abends, nehme ich den Bus zum Hostel Crossroads. Hiker können im bunkroom oder auf Betten mitten im Garten schlafen, es gibt eine Outdoor Küche und Dusche, alles sehr individuell und kreativ gestaltet. Ein besonderer Ort.

Ich bleibe noch bis zum nächsten Mittag und gönne mir eine kleine Pause. Auch buche ich schweren Herzens endlich meinen Flug: am 18 Oktober geht es von San Francisco aus zurück… Ein Endpunkt ist gesetzt, fühlt sich komisch an.


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