15. Cascade Locks – Sisters

Ich bleibe eine Nacht in Cascade Locks. Viel Erholung bekomme ich allerdings nicht -der Campingplatz liegt direkt neben den Bahngleisen und wenn Güterzüge durchrauschen, bebt die Erde unter der Isomatte! Aber ich genieße einen riesigen Eisbecher und veganen Hotdog, und die Gesellschaft der anderen Hiker.

1. Tag

Mittags am nächsten Tag laufe ich wieder weiter. Von Meeresspiegel-Höhe müssen wir wieder auf ca 6000 feet aufsteigen, es geht also erstmal viel viel bergauf. Ich treffe Jukebox und Oats wieder, und auch Wonderwoman, eineDeutsche die ich aus Stehekin kenne. Da bin ich doch ziemlich stolz, ihren mehr als 2 Wochen Vorsprung wieder eingeholt zu haben! Wir zelten nach 17 Meilen alle gemeinsam an einen See. Es gibt viele Huckle- und Salmonberries! Nachts regnet und gewittert es heftig…

2. Tag

Auch heute ist es überwiegend bewölkt. Um es Morgen zum berühmten All you can eat Frühstücksbuffet der Timberline Lodge zu schaffen, müssen wir heute gut Strecke zurücklegen. Wieder gibt es einige kleine Berge zu queren, aber die Strecke ist einfach. Und langweilig. Wald Wald Wald, und die meiste Zeit verschwindet alles in dichtem Nebel.

Ich komme schnell voran, das Wetter lädt nicht zum Pausieren ein, und schaffe 28 Meilen, neuer Rekord! Ich zelte auf den Füßen von Mt Hood. Alles hängt in den Wolken und schon bald setzt Regen ein. Trostlos.

3. Tag

Die Nacht schüttet es heftig, morgens sind große Pfützen in meinen Zelt. Ich schöpfe sie mithilfe meines Spülschwämmchens aus und fühle mich wie eine Schiffsbrüchige. Es ist nass und trüb und kalt. Trotzdem stehe ich pünktlich um 6 auf dem Trail, das Frühstück ruft! Oats und Jukebox tauchen im Nebel auf. So schnell habe ich glaube ich noch nie 5 Meilen (8 km) bewältigt, wir brauchen knapp über eine Stunde.

Ich jubele vor Freude, als endlich im Nebel die hässlichen Skilifte der Lodge auftauchen. 10 Minuten später genießen wir schon das Buffet in vollen Zügen: Rührei, Kartoffelpuffer, belgische Waffeln mit Erdbeerkompott, Törtchen, Obst, Smoothies… Wir stopfen ohne Ende, bis es einfach nicht mehr geht.

Timberline Lodge auf Mt Hood
Jukebox und Oats beim AYCE Frühstück

Dann vegetiere ich noch 2 Stunden in der Lodge, Oats und Jukebox bleiben noch länger. Den Rest der Etappe sehe ich sie nicht mehr. Zum Glück geht es den übrigen Tag gar nur noch bergab. Ich kann mich rollen lassen und komme auch endlich aus dem Nebel raus. Am späten Nachmittag stoße ich auf Trailmagic, es gibt Snacks und Limo und Nudelsalat. Was für ein kulinarischer Tag!

Trail magic von Madd Baker

Ich zelte am Timothy Lake und kann sogar noch mein pitschnasses Zelt und gut feuchten Schlafsack trocknen. Die Nacht ist gerettet!

4. Tag

Meine Batterien der Taschenlampe sind leer, so bin ich nun leider leider gezwungen den Rest der Etappe morgens in Schlafsack zu bleiben, bis es hell ist… Heute gibt es wahrlich nichts Spannendes. Wieder viel viel Wald.

Und es scheint endlich wieder die Sonne! Der Weg bleibt leicht und ich schaffe wieder meine 28 Meilen. Ich hoffe Oregon wird noch ein wenig interessanter, langsam geht mir der Wald gehörig auf den Senkel. Ich zelte am kleinen Jude Lake. Zum ersten Mal seit Tagen gibt es wieder einige Mücken.

5. Tag

Nach nur 3 Meilen erreiche ich Ollali Lake Resort, ein winziges uriges Ferienlager, schön am See gelegen. Es ist kalt und ich gönne mir eine heiße Schokolade. In der hikerbox finde ich außerdem 5 Clifbar Proteinriegel, was für ein Fest!! Der Trail führt nun stetig bergauf durch lichten Wald, es gibt viele kleine Seen und schöne Aussichten. Endlich bekomme ich auch Mt Hood aus der Ferne zu Gesicht, auf dem die Timberline Lodge liegt! Schließlich ist ein steiles Lavafeld zu erklimmen, der Schweiß rinnt in Strömen.

Oben angekommen thront direkt vor mir der nächste Vulkan, der mächtige Mt Jefferson. Wunderschön! Ich kann mich gar nicht satt sehen.

Im Tal treffe ich heute einige alte Bekannte aus Kalifornien wieder. Mit einigen bin ich sogar gemeinsam von der mexikanischen Grenze gestartet! Besonders freue ich mich, als plötzlich Iceking auf dem Trail steht! Wir hocken eine Stunde zusammen und tratschen, trotz Mücken-Invasion. Danach heißt es Tempo machen. Es sind noch 13 Meilen am inzwischen späten Nachmittag zu bewältigen, die Hälfte davon bergauf. Völlig erledigt schlage ich um 19.30 nach 13 Stunden und 29 Meilen mein Zelt auf. Ein neuer Rekord, bei dem Terrain eine wirklich gute Leistung! Vom Schlafsack aus bewundere ich den Sonnenuntergang, der Mt Jefferson rot golden leuchten lässt. Mein schönster Zeltplatz bisher. Ein toller Tag!

Blick vom Schlafsack aus

6. Tag

Auch heute Morgen lässt sich Mt Jefferson noch lange bewundern. Der Trail geht auf einem Bergrücken entlang und die Aussicht auf die umliegenden Berge, viele Vulkane, ist genial. Es ist unglaublich heiß heute. Schließlich stehen 13 Meilen durch ein ehemaliges Waldbrandgebiet an. Kein Schatten. Ich krieche vor mich hin obwohl es viel bergab geht und bedauere mich ordentlich.

Waldbrandgebiet soweit das Auge reicht

Um 16 Uhr stoße ich endlich auf die Straße, von wo aus ich in die kleine Stadt Sisters hitche. Dusche! Eis! Pause.

146 Meilen. 5,5 Tage


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