13. Snoqualmie – White Pass

Meine Übernachtung in der Hütte des Washington Alpine Club ist perfekt getimed: Da am nächsten Tag ein Arbeitseinsatz des Vereins steigt, gibt es zum Frühstück einen riesen Berg Pfannkuchen. Weil es morgens in Strömen gießt, bleibe ich bis mittags. Perfekt, um auch noch das Mittagessen zu genießen, Burger, sogar in vegetarischer Variante! Gegen 3 Uhr wälze ich mich, vollgefressen wie ich bin, zurück auf den Trail.

1. Tag

Es ist immer noch bewölkt und kühl, aber trocken. Die Strecke ist wenig spannend, bewaldete Hügel. Ich zelte am schönen Mirror Lake, zusammen mit Horden von Wochenendausflüglern.

2. Tag

Heute ist es sonnig und warm. Es geht sehr viel bergauf und -ab, dichter Wald, sodass es keine Aussichten gibt. Dafür viele Blaubeeren! Mittags treffe ich Produce wieder, die ich zuletzt in Kalifornien gesehen habe. Die rennt im Eilschritt Richtung Kanada, mit 40 Meilen am Tag. Sie gibt großzügig zu, dass es keinen Spaß macht, aber rückblickend sei es dann toll.. Naja, hike your own hike, jedem das Seine. Heute sehe ich auch zum ersten mal Mt Rainier, noch ganz blass in der weiten Ferne. Er wird mich die nächsten Tage begleiten und immer näher rücken. Ohne Schmerzen und ohne Ibuprofen schaffe ich heute seit langen mal wieder 20 Meilen, ich kann es kaum fassen und bin absolut glücklich!

3. Tag

Wie immer stehe ich früh auf. Die Tage werden schon kurzer, um fünf Uhr wenn mein Wecker klingelt dämmert es gerade erst.

Wieder geht es enorm viel und steil auf und ab, meine Waden sind vom Vortag noch müde. Zum Glück gibt es seit Snoqualmie kaum noch Mücken, sodass längere Pausen möglich sind. Dafür gibt es nun wieder längere „Durtstrecken“, mit keinen Trinkwasser für 12 Meilen.

Mt Rainier sorgt immer wieder für Abwechslung und blinzelte hinter den Bergen hervor.

Die letzten 8 Meilen wird es endlich ebener, und ich fliege förmlich dahin. Mein Zelt schlage ich heute Nacht in einen ehemaligen Waldbrandgebiet bin Vorjahr auf. So gesellt sich auf meiner Haut zu meiner Schweiß- und Dreckkruste auch noch eine ansehliche Schicht Asche dazu.

4. Tag

Noch weitere 6 Meilen laufe ich heute durch das Waldbrandgebiet: schwarze tote Bäume soweit das Auge reicht, und dazwischen ein Meer von Blumen! Unfassbar schön, ich komme aus den Staunen, Nektarduft schnuppern und fotografieren gar nicht heraus. Wie der Phönix aus der Asche…

Mt Rainier ist heute weniger scheu und lässt sich lange bestaunen. Mein Mittagessen genieße ich an einen wunderschönen kleinen See, der auch bei Tagestouristen sehr beliebt scheint. Zu meinen Ärger sind die lokalen Chipmunks wohl ans Füttern gewöhnt, ich kann mein Essen keine Sekunde aus den Augen lassen und werde richtiggehend von allen Seiten (auch von oben!) belagert. Das ist wenig entspannend, ich wünsche mir, unsere Katze Flockie wäre hier… Schon um 16 Uhr komme ich am nächsten See an, Lake Dewey, der mein Tagesziel ist. Ich genieße den „freien“ Nachmittag, gehe schwimmen und nehme ein Sonnenbad! Auch versorge ich meine Füße notdürftig, die Hornhaut an den Fersen hat tiefe schmerzhafte Risse gebildet. Kaum ist das eine Wehwehchen weg…

5. Tag

Heute geht es zunächst hoch auf einen kleinen Berg, nun gesellen sich im Panorama zu Mt Rainier auch noch Mt Adams und St Helens dazu.

Nach einem langen Anstieg komme ich in eine große Fläche, unendlich viele kleine Seen und Tümpel, malerisch eingerahmt von satten Wiesen und Wäldchen. Sehr schön! Finden auch die Mücken! Beim Laufen geht es noch, doch Stehenbleiben ist hier schlecht. Entsprechend besteht meine heutige Schmodderschicht auf der Haut aus einer guten Basis Dreck, gut gemischt mit Mückenspray, garniert mit Blutflecken und Mückengliedern…

Mein Lager schlage ich ziemlich müde an einem kleinen See auf und verbarikadiere mich trotz des schönen Wetters sofort im Zelt. Zu dumm, dass ich zum Wasserholen nochmal raus muss…

Am nächsten Morgen stehen nur noch knappe 2 Meilen bis zum White Pass an. Hier warten Dusche und Pizza auf mich!

100 Meilen, 4 Wandertage, 1 Nero


2 Gedanken zu “13. Snoqualmie – White Pass

  1. Was für ein toller Beitrag, bin so glücklich, dass du wieder gut rennen kannst. Die Bilder sind wunderschön, aber echt gemein und fördern enormes „Heimweh“ nach einen Trail! Noch ein überflüssiger mütterlicher Rat: Füße regelmäßig morgens und abends und zwischendurch einfetten (Notfalls auch mit dem ekelhaften Hirschtalg) und wenn die Haut offen ist, auch desinfizieren, super wichtig!

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