Diakopto – Vytina

1. Tag

Mit verquollenen müden Augen stehen wir um Viertel nach 9 in Diakopto am Bahnhof. Schließlich hatten wir auch satte 5h Schlaf. Wir gönnen uns einen Tee, dann kann das „Abenteuer Peloponnes“ beginnen! Den ganzen Tag wird der E4 der Touristen- Zahnradbahn durch die tief eingeschnittene Vouraïkos Schlucht folgen. Einen separaten Weg gibt es nicht, wir laufen auf den Schienen. Die Schlucht ist unglaublich schön, und überraschend „wild“!

Immer entlang der Zahnradbahn…
Alpenveilchen

An den Steilwänden sprießen Alpenveilchen und Stalagmiten, der Fluss gurgelt neben und manchmal auch unter uns -denn auch die Bahnbrücken und Tunnel müssen wir nutzen. Da heißt es aufpassen, dass dann nicht gerade der Zug kommt!

Tages-Höhepunkt: ein stillgelegter Gleisabschnitt

Es ist heiß und wir schwitzen ordentlich, haben auch denkbar wenig Kondition. Plötzlich wandert ein Stein mit hoch erhobenen Klauen auf mich zu! Ich springe senkrecht in die Luft, plötzlich hellwach. Es ist ein Krebs. Die faustgroßen Tiere leben unter den Gleisen, und lassen sich scheinbar ungerne stören…

Der gemeine griechische Bergkrebs, oder so…

Nach 3.5h erreichen wir den Bahnhof Kato Zachlosou. Unsere Mägen hängen schon in den Knien, wir bestellen einen griechischen Salat. Doch damit ist es nicht getan, nach dem Salat wird plötzlich noch gebackener Käse, dann Pommes, dann Brot serviert! Der Tisch füllt sich und wir wissen gar nicht, wie uns geschieht… Alles schwimmt in Olivenöl, und ist köstlich! Noch 2 Stunden geht es zum Ort Kalavryta, dem offiziellen Etappenziel. Zum Glück kann man Teilstücke der Schienen mit Schotterstraße umgehen, denn durch die groben Steine in Gleisbett tuen uns schon gut die Füße weh. Nur wenige, steile Kilometer hinter Kalavryta bauen wir das Zelt mitten in Schafswiesen auf, mit einem phänomenalem Sonnenuntergang über dem Ort beenden wir den ersten Tag. Er war grandios!

2. Tag

Die Nacht ist ruhig, nur immer Mal unterbrochen von wütend bellenden Hunden aus dem Dorf. Gegen 7 Uhr dämmert es erst langsam, sodass wir erst um halb 8 aufstehen. Morgens ist es noch frisch, doch wir haben bis zum Pass noch ca 500 Höhenmeter zu bewältigen, da wird es schnell warm. Auch am Tag sind die kläffenden Hunde allgegenwärtig. Halb verhungert lungern sie um jedes Gebäude, manchmal angekettet, häufig aber auch freilaufend. Zum Glück ließen sie sich bisher immer durch Steinewerfen auf Abstand halten. Auch Kätzchen gibt es überall, meist in ebenso traurigem Zustand. Wie gerne würde ich sie alle mitnehmen und aufpäppeln… Gegen halb 10 erreichen wir den Pass und frühstücken mit herrlicher Aussicht. Nun geht es ganz entspannt bergab.

Blick vom Pass auf das Dorf Kato Lousi

Der Weg ist leicht zu gehen und immer wieder finden sich Walnüsse, an denen ich einfach nicht vorüber gehen kann… Am frühen Nachmittag erreichen wir das offizielle zweite Etappenziel, Planetero, wo wir in einem wunderschönen Platanenhain zu Mittag essen. Scheinbar ein beliebtes Ausflugsziel für die Region..

Platanenhain in Planetero

Danach geht es kräftig bergauf. Wir verpassen die Abzweigung des E4 runter von der Schotterstraße auf den Pfad -zweimal! Und laufen etliche Höhenmeter umsonst. Der Weg ist den Rest des Tages eher beschwerlich, voller Geröll und häufig überwachsen. So kommt zumindest keine Langeweile auf. Und der Blick ins parallel verlaufende Tal bleibt weiterhin richtig schön.

Schließlich schlagen wir müde kurz nach dem Ort Agios Nikolais das Zelt auf. Direkt neben einer Kapelle, die einzige halbwegs gerade, nicht überwuchert Stelle. Denken wir. Am nächsten tag sehen wir, es hätte nur wenige Minuten später die besten Stellen gegeben, so ist das ja immer.

3. Tag

Der Regen prasselt auf das Zelt. Der dritte Tag endet daher für uns schon früh, nach „nur“ 29km um 17 Uhr. Die Strecke war wieder schön, und herausfordernd. Direkt morgens steht ein knackiger Anstieg an, immer fleißig durch fröhliches Gestrüpp bergauf.

Der Trail, manchmal ordentlich von Dorngestrüpp überwuchert
Fleißiges Pferdchen mit traditonellem Holzsattel

Sodass wir am Pass aber dann wohlverdient frühstücken können. Von dort folgen wir eine Weile lieber einer Schotterstraße bis in den Ort Kinophita, denn der Pfad soll hier wirklich elend überwuchert sein. Nach dem Ort geht es entlang der der Bergflanke mit wunderbaren Blicken aufs Tal. Wieder Mal eine Herausforderung für die Füße durch grobes Geröll. Im Ort Lykouria kaufen wir zum ersten Mal ein. Tomaten fürs Mittagessen und Nudeln zum Abend. Die werden im kalten Wasser eingeweicht. Einen Kocher haben wir nicht mit, denn in Griechenland gibt es nur Gaskartuschen mit Steckverschluss, welche nicht auf unsere Kocher (mit Drehverschluss) passen.

Hohlweg nach Pangrati

Nun geht der E4 lange bergab, leider auch ein paar Kilometer entlang der Teerstraße. Autoverkehr ist hier zum Glück kaum, aber es wird sehr schwül und dicke Wolken ziehen auf. Nach einem langen, schweißtreibenden Aufstieg erreichen wir ziemlich platt den winzigen Ort Pangrati. Wir füllen Wasser auf und schaffen es gerade noch bis auf die Anhöhe hinter dem Ort, bevor der Regen einsetzt. In wenigen Minuten steht das Zelt. Es kühlt schnell ab. Leider erweisen sich die eingeweichten Nudeln nun als graue Mehlpampe. Nach drei Löffeln streikt mein Magen, ich bekomme nichts mehr herunter. Zum Glück haben wir noch ein paar Kekse…

Schließlich hat er uns doch eingeholt, der Regen

4. Tag

Auch am Morgen hängen die Wolken noch tief. Der Weg bleibt steinig, aber ausnahmsweise weniger überwachsen, so dass wir eine Stunde später bereits den Ort Daras erreichen. Wie so häufig stehen viele der hübschen Bruchsteinhäuschen leer, und rufen nach einem neuen Besitzer der sie wieder herrichtet.

Der Herbst kündigt sich an
Schafshütte

Ab hier geht der E4 entlang der Straße immer bergab, bis wir ins Tal in die Region „Arcadien“ kommen: Felder, Obst- und Nussbaumplantagen, Schafswiesen soweit das Auge reicht. Es ist schön, zur Abwechslung ganz entspannt auf Schotterstraße zu gehen. Leider wechselt der Straßenbelag irgendwann zu Asphalt, bis zum Örtchen Nymphasia laufen wir uns darauf die Füße platt. Auch geht es nun wieder kräftig bergauf. Die Straße ist zum Glück kaum befahren. Die wenigen Autofahrer lassen sich kaum abwimmeln:;m Sie wollen uns unbedingt eine Mitfahrgelegenheit anbieten, und können es nicht fassen, dass wir lieber laufen wollen. Verrückte Deutsche!

Schon am frühen Nachmittag erreichen wir das offizielle Etappenziel Vytina, ein Touristenmagnet, denn in der Nähe gibt es große Skigebiete. Immerhin liegt der Ort bereits auf über 1000 Meter Höhe! Der Himmel hat sich inzwischen dunkel zugezogen, ein Unwetter ist vorhergesagt. Wir rechnen nach und kommen zu dem Schluss, dass wir heute hier übernachten sollten: sonst wären bei den Etappenabständen mindestens die nächsten weiteren drei Tage keine Dusche Übernachtung in einer Unterkunft möglich. Und uns umwabert inzwischen eine ordentliche Duftwolke… So kehren wir Faulpelze nach nur 23 km schon um 15 Uhr in ein Zimmer ein und gönnen und auch noch ein dickes Stück Kuchen.

Endlich Duschen in Vytina!


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