7. Tehachapi – Kennedy Meadows

1. Tag

In Tehachapi muss ich natürlich noch ausgiebig in der deutschen Bäckerei schlemmen. Graubrot mit Käse und Salat, himmlisch! So komme ich erst gegen 1 Uhr auf den Trail zurück. Auf mich warten 17 Meilen die ich noch schaffen möchte, denn erst dann gibt es wieder Wasser. Direkt steht ein langer Aufstieg an. Ich habe Essen für 7 Tage dabei, mit den schweren Rucksack wollen die 1000 Höhenmeter einfach nicht weniger werden. Es gibt tolle Blicke auf die umliegenden Berge, aber ich ächze nur vorwärts. Um sieben Uhr komme ich fix und fertig an der Quelle an. Für einen „Nero“ (Nearly Zero, also halber Ruhetag) sind die 17 Meilen eine reife Leistung! Ich campe mit Velveeta (aus den USA) und Mockingbird (Deutsche). Beide sind mit mir vor einer gefühlten Ewigkeit an der mexikanischen Grenze gestartet!

2. Tag

Ich laufe vor den anderen beiden los. Heute gibt es wunderbare schattige kleine Wäldchen und Hügel mit schönen Aussichten. Es ist nun sehr warm. Die Essenspausen teile ich wieder mit Velveeta und Mockingbird, ebenso das Camp, das ist eine schöne Abwechslung!

Mockingbird flickt ihren Schlafsack, Velveeta hat sein zweites Abendessen

3. Tag

Heute führt der Weg zunächst durch Nadelwald, es gibt einige Bäche mit gutem Wasser. Es läuft sich leicht -sodass ich prompt die letzte Wasserstelle verpasse. Zum Glück haben trailangel 5 Meilen weiter ein water cache eingerichtet. Eigentlich soll man sich darauf nicht verlassen, man weiß nie wie regelmäßig Wasser nachgefüllt wird. Aber ich habe Glück, hier warten riesige Tonnen mit Wasser. Hier treffe ich auch Iceking und Ginger wieder, das ist schön!

Water cache! Und Spoiler: der Herr ganz links ist der erste Beinamputierte, der den gesamten PCT laufen wird!

Inzwischen ist es irre heiß. Es folgen 15 Meilen ohne Wasser und mit wenig Schatten. Richtig Wüste. Es geht viel auf und ab, dieser Tag hat es in sich! Dafür gibt es phänomenale Aussichten auf die staubtrockenen Berge.

Erst gegen sieben Uhr komme ich nach 25 Meilen am nächsten water cache an. Gäbe es die trailangel hier nicht, die einen mit Wasser versorgen, so wäre Wasser für unfassbare 45 Meilen zu tragen, also über 80 Kilometer (=2 Tage)!

4. Tag

Ich starte heute zusammen mit iceking. Beim plaudern läuft es sich leicht den langen Anstieg hoch. Ich bin so ins Gespräch vertieft, das ich den Baum gar nicht sehr, der unübersehbar über den Weg hängt. Bums, knalle ich frontal mit den Kopf dagegen! Mein Schädel brummt, ich haue mir eine Ecke aus dem Zahn, sonst scheint mein Holzkopf stabil… An einer Quelle machen wir gemeinsam Mittagsrast. Es ist schön, eine Gruppe zu haben. Bis zum Walker Pass geht es nun nur noch bergab. Heute ein richtig entspannter Tag mit „nur“ 20 Meilen. Außerdem wartet trailmagic am Pass auf uns, gekühlte Getränke und Snacks! Ich nutze den freien Abend und Nähe meine Hose, den Reißverschluss meines Zeltes kriege ich leider nicht repariert…

5. Tag

Velveeta und Mockingbird machen einen Tag Pause in der Stadt, ich laufe mit Iceking und Ginger weiter. Sie beiden sind deutlich schneller als ich, dh wir laufen alle getrennt, aber treffen uns zum Essen und campen. Es geht stetig bergauf, nun werden die Berge langsam höher und „gebirgiger“, Iceking aus Österreich ist total aus dem Häuschen!

Am Wegrand sind jede Menge winzige Blumen, wunderschön! Es ist schwül heiß, am Nachmittag ziehen plötzlich schwarze Wolken auf und es beginnt zu schütten wie aus Kübeln, teilweise Hagel.

Innerhalb von 10 Minuten bin ich durchweicht, so was habe ich noch nicht erlebt! Doch nach einer halben Stunde kommt wieder die Sonne durch und wir können Abend alle nasse Kleidung und Ausrüstung wieder trocknen.

6. Tag

Zunächst geht es gemächlich bergab bis zu einem Bach, wo ich mein Frühstück verspeise, Haferflocken wie immer. Dann ebenso gemächlich 6 Meilen bergauf. Von hier oben sieht man schon die schneebedeckten Berge der High Sierras in der Ferne, ein beeindruckender Anblick! Es folgt ein langer Abstieg bis zum Fluss runter, dann geht es nur noch auf ebener Strecke den Fluss entlang bis zum berühmten Ort Kennedy Meadows.

Die Strecke ist leicht heute, aber es ist irre heiß. Meine Füße tuen sehr wenn, meine Fersen sind voller blasen von den langen letzten Tagen in der Hitze und der Tag zieht sich. Fix und fertig komme ich nach 26 Meilen gegen 7 Uhr abends bei Grumpy Bears an. Ein Restaurant, bei den man kostenlos campen kann. Eine ganze Zeltstadt steht hier, es sieht aus wie in einem Refugee Lager. Alle warten auf die Schneeschmelze, denn dieses Jahr liegt 2-3x soviel Schnee wie sonst. Auch Ginger und Iceking warten schon auf mich, gierig fallen wir über Pommes und Burger her, danach plumpsen wir in unsere Schlafsäcke.

7. und 8. Tag

Endlich zwei wohlverdiente Ruhetage. Ich schreibe Tagebuch und Blog, recherchiere die anstehende Strecke, esse jede Menge, scheiterte erneut beim Zelt reparieren. Für die anstehende Etappe in den Bergen der Sierras statte ich mich mit iceaxe und Winterkleidung aus. Außerdem brauchen wir nun einen bear cannister zum Essen verstauen, die Bären nicht öffnen können. Danke an Earl Grey für die geliehene iceaxe, und an Pegasus für den bear canister!

Morgen werde ich mit Ginger, Mockingbird, Velveeta und Trimp weiter ziehen, in den Schnee. Es soll sehr schön, aber auch anstrengend werden… Ich bin gespannt!

136 Meilen, 5 Tage, 1 Nero


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