In Big Bear habe ich seit Beginn des trails meinen ersten „echten Zero“, also Tag komplett ohne Laufen verbracht! Im Hostel habe ich eine wunderbare Dusche genossen, meine Lebensmittel aufgestockt und natürlich ausgiebig rumgegammelt. Ich habe einige Leute wiedergetroffen, die hier den Regen wie ich ausgesessen haben, u.a. Rochus (mit dem ich schon ab Frankfurt im Flieger war).
1. Tag: Abendbrot mit Aussicht
Gut ausgeruht geht es nach einem stärkenden Pfannkuchen-Frühstück am Sonntag früh wieder per Anhalter an den Pass und zurück auf den Trail. Das Unwetter ist nun durchgezogen und es scheint wieder die Sonne. Nach den Regentagen duften die Kiefern und anderen Pflanzen unglaublich. Der Weg führt auf der anderen Seite vom See Big Bear Lake entlang, so gibt es schöne Aussichten auf den Ort und die Berge dahinter.

Danach kommt viel ehemaliges Sturm und Waldbrand-Gebiet, ich schalte auf Automatik und düse dahin. So bin ich schon um 16 Uhr 19 Meilen gelaufen. Da ist mir natürlich zu früh zum Schlussmachen, also „nur noch ein kleines Stück weiter“. Schließlich laufe ich doch 24 Meilen, obwohl mir am Schluss gut die Füße wehtun. Ich muss dringend an meiner Disziplin arbeiten… dafür habe ich den schönsten Zeltplatz, den man sich wünschen kann. Auf einer kleinen Anhöhe kann ich geschützt unter einem Baum Cowboy campen, ganz für mich alleine genieße ich einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang hinter den Bergen in der Ferne. Ab und zu brummt ein dicker Kolibri vorbei, wie könnte ich glücklicher sein?


2. Tag: Mittagessen mit feucht-warmen Füßen
Schon nach wenigen Meilen steige ich zum Holocomb Creek ab, dem ich eine Weile folge und auch einige Male quere. Zum Glück geht das immer trockenen Fußes. Schließlich komme ich zum Deep Creek, der einen richtigen Canyon in die Hügel gegraben hat.

Diesem folge ich den Rest des Tages. Es ist unglaublich heiß, Schatten ist rar. Ich freue mich auf eine Flussstelle, an der man laut App toll Baden können soll. Als ich dort ankomme, ist sie aber schon besetzt: Angler. Ich laufe weiter, bis ich zum nächsten heutigen Highlight komme, den berühmten Deep Creek Hot Springs. Dort treffe ich wie erwartet auf eine ganze Hiker-Meute, aber alle vegetieren im Schatten, bei der Hitze will keiner in die heißen Quellen. Ich mache ausgiebig Mittagspause, und strecke nur mal den kleinen Zeh ins warme Wasser.

Bis zum Staudamm folge ich weiter dem Deep Creek. Hier übernachte ich ausnahmsweise mal mit jede Menge anderen Hikern.
3. Tag: Ratte zum Frühstück
Der Tag beginnt direkt gut mit einer Flussüberquerung -und diesmal nassen Füßen. Danach renne ich prompt in die falsche Richtung weiter. Nun geht der trail ausnahmsweise direkt nach Westen Richtung Los Angeles, nicht wie sonst nach Norden. Fühlt sich komisch an, die Sonne im Rücken… Es geht immer am Rand einer Hügelkette entlang. Am nächsten Fluss mache ich Frühstückspause. Plötzlich verschwindet neben mir im Boden ein riesen Grasbüschel, und noch eins. Nach einer Weile sehe ich auch ein Näschen und Pfötchen auftauchen, und schließlich sitzt eine kleine Ratte, oder Meerschweinchen, oder so, neben mir und wir frühstücken gemeinsam, das ist nett.

Es ist wieder sehr warm. Mittags erreiche ich endlich den zum See aufgestauten Mojave River. Hier finde ich eine tolle Picknick Area, sonnenüberdachte Bänke, Mülleimer und ein Badestrand! Ich lasse mich nicht lange bitten und genieße ein Bad im See, herrlich!

Erst nachmittags gehe ich weiter, sanft steigt der Weg immer mehr in die nächste Hügelkette an. Hier finde ich eine schöne Stelle zum Cowboy campen.
4. Tag: Breakfast Deluxe!
Morgens liegt alles im dichten Nebel. Schon lange bevor ich den Highway sehe, höre ich ihn. Ein unglaublicher Lärm -Aber mir ein Lied in den Ohren, denn hier ist der Ort der Glückseligkeit, über den seit Tagen alle reden: McDonald’s! Nach 10 Meilen im Eilschritt habe ich mir hier ein zweites Frühstück verdient!

Zwei Stunden und gefühlte Hundertmillionen Kalorien später wälze ich mich wieder auf den Trail. Mein Rucksack ist schwer, denn ich muss Wasser für die nächsten 22 Meilen schleppen. Es geht durch wunderschöne Felsformationen bis zu einem weiten Tal.

Hier schnaufe ich kurz durch, nun folgt ein langer Anstieg, der sich über die nächsten zwei Tage erstrecken wird. Die Blicke runter ins Tal sind schön, aber ich bin müde. Und verärgert, denn mein Knie fängt wieder an zu knarzen. Vermutlich war ich etwas zu ambitioniert die letzten Tage. So mache ich heute brav nach exakt 20 Meilen Schluss.
5. Tag: Frühstück „einmal ohne alle alles bitte“
Wie angekündigt schlägt heute das Wetter um. Morgens zunächst Nebel, dann Temperatursturz bis auf ca 5 Grad, Sturm, Regen, Schnee, Hagel. Triefnass bin ich bald am bibbern und frieren. Meile für Meile krieche ich vorwärts. Das macht keinen Spaß, und ist als richtiges Unterkühlungswetter auch nicht ungefährlich! Ein kluger Mensch würde nun sein Zelt aufschlagen. Aber nach (endlosen) 10 Meilen kommt ein Abzweig von Berg runter in den Ort Wrightwood. Eigentlich wollte ich erst morgen, 5 Meilen weiter über die offizielle Route runter. Aber das macht keinen Sinn. Ich renne den Berg runter, wortwörtlich. Ich hoffe nur inständig mein Knie verzeiht mir das, aber will nur noch ins Warme. Um 11 Uhr bin ich im Ort. Mit einem Haufen Franzosen, mit denen ich letzte Nacht gecampt hatte, falle ich ins Café ein. Bisher war keine Zeit für Frühstück und ich bin am verhungern. Heiße Schokolade!! Was für ein unvorstellbarer Genuss… Und wir haben Glück, ein Trailangel lädt uns für die Nacht zu sich nach Hause ein. Wir können duschen, Sachen waschen und trockenen, und uns erholen. Das Beste ist, es gibt eine Katze!

(90 Meilen, 4,5 Tage)
Sieht so aus, als ob du deinen kleinen Hilfsbremser gegen das Meilenfressen gebrauchen . Tolle Tour, aber mach mal langsam. Dein Knie freut sich drüber.
LikeLike
Ja das stimmt. Zu meiner Entschuldigung: der PCT läuft auch viel leichter als der CDT, an vielen Tagen ist man da schon gegen 16 Uhr bei 20 Meilen!
LikeLike