1. Bei Frodo und Scout. Mexikanische Grenze – Julian

Nach 16 Stunden Flug lande ich am Ostermontag in San Diego. Schon im Flieger ab Frankfurt treffe ich auf 2 andere Deutsche PCT-Hiker, Rochus und Lukas. Es ist schön, auf der langen Reise Gesellschaft zu haben. Außerdem können wir uns ein Taxi zum Haus von Frodo und Scout teilen.

Frodo und Scout sind Trailangel in San Diego. Hier bieten sie 3 Monate lang täglich bis zu 40 Hikern vor Beginn ihrer Wanderung kostenlos Unterkunft, Frühstück und Abendessen, Fahrten zum Supermarkt, Postoffice und Outdoor-Laden und schließlich einen Shuttle Service bis zur Amerikanisch-mexikanischen Grenze, die eine Autostunde entfernt liegt. Alles ist wahnsinnig durchorganisiert, von Kochgruppen, über Paketpackstationen und Infomappen über den Teil, bis hin zu riesigen Bierzelten im Garten zum Schlafen. Unglaublich! Hier verbringe ich 2 volle Tage, kaufe mein Essen für die Wanderung, schicke meine Bouncebox mit noch nicht benötigter Ausrüstung voraus, lerne schon mal einige Weggefährten kennen, und warte voller Ungeduld darauf, dass es endlich losgeht.

1 Tag.

Donnerstag heißt es um 5 Uhr aufstehen, denn um Punkt 6 ist Abfahrt. Eine Stunde dauert die Fahrt an die kalifornisch-mexikanische Grenze. Hier am Startpunkt werden natürlich erst Mal jede Menge Fotos gemacht.

Ich kann es kaum erwarten und mache mich als Erste vom Acker. Kaum zu glauben, aber als ich den Trail betrete, durchströmt mich sofort ein unglaubliches Glücksgefühl: Ich bin wieder da, darf ein halbes Jahr jeden Tag laufen, neue Landschaften entdecken, Abenteuer erleben, frei sein. Ich genieße jeden Schritt. Nur eines stört: Die bescheuerte Kniebandage rutscht und rutscht, schließlich ziehe ich sie aus -es muss eben so gehen. Die Landschaft ist sehr hügelig, übrigen von Büschen und kleinen Bäumen. Und natürlich irre heiß, doch die ersten paar Tage gibt es mehr Schatten und Wasser als erwartet, und so kann ich immer wieder lange Pausen einlegen. Ich zwinge mich, den ersten Tag nur 11 Meilen zu laufen, und die Tage drauf nur um die 15, um das blöde Knie zu schonen. Dafür muss man schon ordentlich rumtrödeln…

2. Tag

Direkt am Morgen des zweiten Tages werde ich von lauten Rascheln aus den Gedanken gerissen: Mitten auf den Weg sitzt eine fette Klapperschlange! Zum Glück ist der Weg gerade hier irre breit, sodass man gut drum herum kommt.

Schon kurz darauf mache ich wieder Luftsprünge: Eine dicke Vogelspinne sitzt auf den Pass und lässt sich ihr Frühstück schmecken.

3. Tag

Heute komme ich nach Mount Laguna, wo es einen Campingplatz, Laden und Restaurant gibt. Hier treffe ich viele von „meinem Starttag“ wieder. Ich gönne mir ein dickes Eis und laufe weiter. Die anderen bleiben auf dem Campingplatz, da habe ich keine Lust zu. Der Weg führt ausnahmsweise durch lichten Nadelwald, ein richtig frisches Lüftchen weht. Die Nacht schlafe ich zum ersten Mal im Zelt, vorher habe ich gecowboy-camped, also ohne Zelt geschlafen.

4. Tag

Ich komme aus den Wald raus, und habe plötzlich eine super Aussicht auf die Wüste unter mit und die umliegenden Berge! Phänomenal…

Der Weg ist an diesen Tag ein Traum, immer an Steilhang entlang kann ich den ganzen Tag die Aussicht genießen, links und rechts vom Weg dazu blühende duftende Büsche.

Schon abends war es sehr windig, in der Nacht entwickelt es sich zu einem richtigen Sturm. Zweimal muss ich nachts raus, um die Häringe wieder fest zu klopfen.

5. Tag

Am Morgen laufe ich im Nieserlegen und Sturm los, wirklich ungemütlich. Ich bin froh, meine Handschuhe doch mit zu haben, obwohl alle sagten: „It never rains in California…“

Bald kommt dann aber auch die Sonne durch, wunderschöne Regenbögen! Die Landschaft bleibt bergig, aber es wird nun deutlich wüstenähnlicher, mit vielen Yucca, Kakteen und Grasland. Am frühen Nachmittag erreiche ich die Straße und hitches nach Julian rein.

Es gießt in Strömen. Ich hole meine kostenlose PCT-Hiker-Pie mit Eiscreme ab, und kann dann zum Glück bei Freunden in Motelzimmer auf den Boden schlafen -die Zimmer haben hier astronomische Preise. Morgen werde ich noch einkaufen, rumhängen und ausruhen, und nachmittags zurück auf den Trail. Eine tolle erste Woche!

4.5 Tage, 77 Meilen


2 Gedanken zu “1. Bei Frodo und Scout. Mexikanische Grenze – Julian

  1. Hey Dreamwalker, hört sich alles ganz toll an. Kann mir gut das Gefühl beim Start vorstellen: Alles ist neu und doch auf eine großartige Weise vertraut, so dass es sich anfühlt, als käme man endlich wieder „nach Hause“. Und so ist es wohl auch, denn auf dem Trail ist man komplett nur man selbst und lebt ausschließlich im Hier und Jetzt. Genieße es und grüße die Klapperschlangen von mir. In Gedanken laufe ich mit dir mit, Speedy

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