Von Aachen Richtung Trier: Trainingswanderung auf dem Eifelsteig

330 km ist der Eifelsteig lang. Ihn möchte ich laufen, um mich auf den PCT vorzubereiten. Die ca 11 Tage sollen ausreichen, um meine neue Ausrüstung zu testen und optimieren, aber auch um schon mal ein bisschen fit zu werden. Ich hoffe, damit die Fußschmerzen zu minimieren, die mich letztes Jahr in den ersten 10 Tagen auf dem CDT so gequält haben. Wieder einmal ist Speedy dabei, da brauchte es keinerlei Überredungskünste. Auch mein Vater Olaf wird in der Eifel unterwegs sein, per Auto aber.  

Wir starten also nachmittags am 19.03. in Aachen (Kornelimünster). Der erste Tag führt recht unspektakulär durch Wald und Weideland, aber es ist einfach herrlich wieder zu laufen, unterwegs zu sein! Nach 17km steht kurz hinter dem Dorf Roetgen die erste Nacht an und damit die erste Bewährungsprobe für die neue Ausrüstung! Es wird gut kalt, am Morgen sind die Zelte gefroren.

Mein neues Heim links, rechts das treue Hilleberg von Speedy

Unseren geliebten Daunenenschlafsäcken (Versalite von Western Mountaineering) merkt man leider inzwischen an, dass sie schon einige Nächte auf dem Buckel haben, so wirklich warm ist uns nachts nicht. Das neue Zelt (Lunar Solo von Sixmoondesign) gefällt mir gut, es lässt sich schnell und leicht aufbauen und genug Platz habe ich auch. Nur
wenn es richtig windet, könnte es zugig werden Also werde ich noch was herumexperimentieren und ggf eine zweite Stoffschicht in die Innenzelt-Tür einbauen. Die neue Isomatte (NeoAir Xlite von Thermarest) ist noch ein wahres Abenteuer: Sie liegt sich schön weich (was für ein Komfort gegen unsere Schaumstoffmatten!) und isoliert toll, die Kombi vom ihrem super-flutschigen Material mit dem flutschigen Zeltboden und dem darunter liegenden, ja richtig, nicht minder flutschigen Unterboden (Tyvek) hat es aber in sich! Auch hier werde ich noch was basteln…

Am zweiten Tag laufen wir einige Stunden durch Belgien. Die Strecke wird überraschend abwechslungsreich, wir queren das Hochmoor „Hohes Venn“ auf Holzstegen.

Speedy im Hochmoor „Hohes Venn“

Wie an kalten Tagen üblich frühstücken wir erst nach 1-2h laufen. Lange Pausen sind bei dem frischen Frühlingswetter aber leider nicht möglich… Der Weg führt uns an diesem Tag hauptsächlich über kleine Pfade, in der zweiten Tageshälfte sind wahrlich einige steile Steigungen zu bewältigen, da der Weg konsequent alle Aussichtspunkte mitnimmt, nur um dann direkt wieder ins Flusstal hinabzusteigen… Die zweite Nacht verbringen wir nach 30km in einer kleinen Schutzhütte. In den neuen Trailrunnern (Lone Peak 2 von Altra) läuft es sich wie auf Federn, ich genieße den Freiraum um die Zehen herum und die Leichtigkeit der Schuhe im Kontrast zu meinen klobigen Wanderstiefeln. Einziger Nachteil: Ich bekomme bei matschigen Pfaden klatschnasse Füße. Aber wie durch ein Wunder hängen in der Schutzhütte ein paar brandneue Joggingschuhe, zwar Größe 43, aber trocken, wahre Trailmagic!

Am dritten Tag scheint endlich richtig die Sonne! Unser Weg führt am schönen Stausee Obersee entlang, Olaf begleitet uns ein Stück. Heute ist der Tag der Bildung: Wir passieren Wollseifen, ein ehemaliges Dorf, was zum belgischen Truppenübungsplatz umfunktioniert wurde, heute Naturschutzgebiet, außerdem die „Burg Vogelsang“, ein ehemaliges NS-Ausbildungszentrum, heute Museum. Nach 30km erreichen wir Gemünd. Hier werden wir von Olaf eingesammelt, wir mogeln heute und schlafen zu dritt im VW-Bus.

Stausee Obersee bei Einruhr

Am vierten Tag ändert sich die Landschaft, es wird flacher und es gibt nun mehr Felder und breite Forstwege. Heute treffen wir bereits auf den siebten Eifelsteig-Wanderer, davon tatsächlich 3 auch „wildcampend“ mit Zelt unterwegs! Zur Mittagsrast sitzen wir im Garten vom Kloster Steinfeld. Wir passieren die Quelle der alten römischen Wasserleitung „Grüner Pütz“, die mit fast 100km Länge die Stadt Köln mit Eifelwasser versorgt hat. Heute dient sie mir für ein erfrischendes Bad meiner Schweißfüße -Prost, ihr Kölner! Wir laufen unsere üblichen 30km und schlagen unser Zelt direkt auf dem Forstweg auf, eine andere Stelle lässt sich einfach nicht finden. Ein furchtbares Geheule lässt uns aus dem Schlaf fahren, Jäger mit Hunden, die uns gleich von unserer misslichen Zeltstelle vertreiben?? Nach ein paar Schreckminuten entpuppt es sich als das Bellen eines Rehbockes…

Tag Fünf empfängt uns mit dichtestem Nebel, die Zelte sind steif gefroren, die Schlafsäcke feucht von Kondenswasser. Die sechs Kilometer zum Ort Blankenheim laufen wir im Eiltempo, denn hier lockt der REWE mit einer Bäckerei. Es wird ausgiebig gefrühstückt -was für ein Segen Zivilisation sein kann!

Ausrüstung trocknen im REWE Blankenheim

Blankenheim ist ein netter Ort mit Burg und Fachwerkhäuschen. Am Nachmittag halte ich es nicht länger aus: Meine Billig-Wanderhose hat inzwischen „Noppen“ gebildet, die mir nun fleißig die Haut von den Oberschenkeln schmirgeln. Ich steige auf meine wohlbekannte Ringelhose um und ernte ab sofort neidische Blicke von allen Seiten. Heute Nacht schlafen wir auf einem Campingplatz im VW-Bus, denn wir möchten mal wieder Duschen.

Auch am sechsten Tag ist morgens alles in dichten Nebel gehüllt. Viele Felder, wenig Wald. Tageshighlight ist der Dreimühlen-Wasserfall, der mit seinem kalkhaltigen Wasser dicke Moosvorhänge nährt.

Dreimühlen Wasserfall

Mein Knie fängt an, beim Abwärtsgehen zu schmerzen. Trotzdem schaffen wir heute über 30km. Wir schlafen in der Grillhütte „Heimatblick“, tatsächlich mit wunderbarer Aussicht auf die im Tal liegenden Dörfchen und Felder. Wie üblich liegen wir ab kurz nach 7 im Schlafsack (dann ist es dunkel und kalt!). Doch schon bald werden wir durch ein heranbrausendes Auto geweckt. Es hält mit quietschenden Reifen, wenige Meter vor unserer Hütte. Ein Jugendlicher steigt aus, verabredet sich hier telefonisch mit Freunden zum Trinken und Feiern. Wir liegen stocksteif da und beten, dass wir unbemerkt bleiben! Nach einer endlosen halben Stunde verlässt den Typen die Geduld, er braust wieder davon. Wir lauschen nun auf jedes Geräusch, erwarten die Rückkehr einer Horde Jugendlicher, schlafen unruhig, aber bleiben zum Glück ungestört.

Pause!

Am siebten Tag wachen wir gerädert auf. Mein Knie schmerzt beim Laufen inzwischen heftig. Zum Glück haben wir unseren mobilen Trailangel Olaf in der Nähe, er nimmt unsere Rucksäcke mit, sodass wir die 15km bis Gerolstein slackpacken können. Wir kommen an mehreren Höhlen vorbei, wo früher Mühlensteine aus dem Vulkanstein geschlagen wurden, nun Heimat von 20 Fledermausarten! Die Gerolsteiner Dolomiten sind leider wenig beeindruckend. Mittags erreichen wir Gerolstein, wo wir wieder auf Olaf treffen. Wir kaufen eine Packung Volataren-Tabletten, gönnen meinem entzündeten Knie einen halben Tag Pause und uns einen dicken Kuchen im Cafe sowie eine Nacht im VW.

Luxus-Unterkunft im VW-Bus

Doch auch am nächsten Tag ist mein Knie nicht besser. Um keine größere Verletzung zu riskieren, muss ich länger ruhen. Hier tagelang bei Kälte und Nieselregen im Auto rumhängen macht wenig Sinn. Wir beschließen, die Probewanderung hiermit nach 7 Tagen und 180km zu beenden.

Wer mich und meinen Sturkopf kennt, der weiß, wie das mich wurmt -immerhin ist dies nun schon das zweite Mal, dass ich den Eifelsteig nicht zu Ende führen kann. Letztes Mal startete ich von Trier aus und musste am dritten Tag aufgeben. Aber es macht einfach Sinn, schließlich will ich zum PCT in 4 Wochen (!) ja wieder fit sein! Ich nehme mir fest vor, es dann die ersten Wochen langsamer anzugehen, mal sehen ob ich das hinbekomme…


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