Wir wollen für 7 Tage dem Simplon-Fletschorn Trail folgen. Ca 124 km, und 7000hm bergauf und auch bergab. https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/simplon-fletschhorn-trekking/251563355/. Sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen über Visp. Campen ist oberhalb der Baumgrenze für 1 Nacht (auf öffentlichen Grundstücken) „nicht verboten“ – und gut machbar. Trinkwasser findet sich selbst im Spätsommer gut, ein Wasserfilter sollte man dabei haben (Weidevieh!).
| Km | Etappe km | Wegpunkt | Beschreibung |
| 0 | Gspon | Start | |
| 18,4 | 18,4 | Bistine Pass | 1. Nacht, Zelten |
| 23,3 | Simplon Pass | winziger Ort | |
| 26,9 | Niederalp | kleiner Ort | |
| 30,7 | Egga | Kleiner Ort | |
| 32,7 | Simplon Dorf | Ort (kleiner Laden, Bäckerei, Tankstelle, Hotels) | |
| 38 | 19,7 | Furgu Pass | 2. Nacht, Zelten (suboptimal) |
| 40,7 | Zwischbergen | Pass, Berggasthof Bord (Restaurant und Übernachtung) -Abkürzung bis Passo Andolla möglich- | |
| 44,1 | Passo di Monscera | Anstrengender Aufstieg!!, oben Zelten gut möglich | |
| 44,7 | Rifugio Gattacosa | ||
| 48,5 | Rifugio San Bernardo | ||
| 54,7 | Alpe Oriaccia | Hof, Notbivouac | |
| 56,7 | 19 | Rifugio Alpe il Laghetto | 3. Nacht, Rifugio |
| 65 | Rifugio Andolla | ||
| 72 | Oratio San Bernadino | Ort (Rifugio Citta Novara) | |
| 76,5 | 19,8 | Antronapiana | 4. Nacht, Campingplatz le Betulle (Laden, Hotels, Bus nach Domodossola) |
| Achtung: 1700hm Aufstieg!! | |||
| 88,5 | 12 | Alpe del Lago | 5. Nacht, Bivouac „Bivacco Cingino“ (Betten, Wasser, Strom -kostenlos) |
| 99,5 | Furgstallden | 2 Restaurants | |
| 103 | 14,8 | Almagelleralp | 6. Nacht, Alp |
| 110 | Fletschhoru | Restaurant / 08.00 – 16.30 Uhr und Bergbahn | |
| 114,2 | Hoferälji | Hof mit Einkehrmöglichkeit | |
| 123,8 | 20 | Gspon | Ziel (Bergbahn, Restaurants, Hotel) |
Tag 1. (Gspon – Bistine Pass; 19 km)
Von Stalden-Saas gehts mit der Seilbahn zum Start nach Gspon. Leider fährt die Bahn wegen Reparaturen erst ab 11.30 Uhr, sodass wir noch 2h in gemütlichen Bahnhofscafé absitzen müssen.
Um 12 Uhr geht es endlich los von Gspon. Zwar geht es doch einige Höhenmetern bergauf. Doch der Weg ist super ausgebaut und leicht zu laufen, folgen wir zunächst dem Panoramaweg. Die Berge sind einfach unfassbar schön, das Sahnehäubchen sind die herbstlich glutrot leuchtenden Heidelbeersträucher vor den goldgelb verwelken Gräsern, im Hintergrund die blauen Berge…


Wir queren einige Skipisten, im Winter ist hier wohl einiges los. Doch Wasser gibt es unerwartet regelmäßig, trotz des heißen Sommers. Lange laufen wir entlang einer richtigen Wasserleitung, gebuddelt neben dem Pfad, teils durch Rohre geleitet. Wir glauben das Wasser wird zu dem nahen Stausee geleitet zur Versorgung der Schafe und Ziegen, die hier oben gehalten werden. Unterhalb eines Gletschers füllen wir gerade unser Wasser auf, als es furchtbar donnert. Nur ein Düsenjet… Doch einige Minuten später poltert und kracht es ganz nahe, und wir sehen am Berghang riesige Felsbrocken herunter fallen, es folgt eine Gerölllawine. Wir stehen in Sicherheit, aber das Spektakel ist schon sehr beeindruckend. Vor allem da wir es innerhalb der nächsten 2h immer wieder an diesem Hang ganz rumpeln hören, einmal in Fahrt hört der Berg so schnell nicht auf zu rutschen…

Leider ziehen über den Hang immer mehr eiskalte Wolken und starker Wind. Die Zeltplatzsuche wird daher sehr ausgiebig. Wegen der Kälte liegen wir um acht Uhr schon in den warmen Schlafsäcken.

Tag 2. Bistine Pass – Furgu Pass, 20 km
In der Nacht windet es kräftig weiter, am Morgen ist dann wolkenloser Himmel, naja fast.

Gegen 9 Uhr laufen wir los. Nur noch 5 Minuten bis zum Pass, dann stetig bergab bis Simplon Pass, eine Ansammlung von Häusern und ein historisches Hospiz, was eher einen Gefängnis gleicht und gut in jeden Horrorfilm passen würde.

Nun geht es immer weiter sanft bergab, leider läuft durch unser Tal auch eine Schnellstraße und stört die Idylle etwas. Bis Simplon Dorf schmerzen mir vom bergab laufen die Füße. Hier finden wir ein Café und gönnen und zum späten Mittag Kuchen. Den können wir auch gebrauchen. Zwar sind es bis zum Ziel nur noch 6km, aber die geht es stramm bergauf. Zudem wir unser Wasser fürs Abendbrot auch noch schleppen müssen. Schon um 6 Uhr sind wir am Tagesziel dem Furgu Pass, essen schnell zu Abend und bauen ganz dreist direkt neben der Straße unser Zelt auf. Woanders geht es nicht und es fängt schon kräftig an zu regnen.

Tag 3. Furgu Pass – Rifugio Alpe il Laghetto, 19 km
Die ganze Nacht hat es geschüttet. Und wir haben sogar unwissend einen kleinen Gast Unterschlupf gewährt: beim Zelt einpacken finde ich, zwischen Innenzelt und Boden, eine dicke fette Kröte. Gut dass ich nicht drauf gelegen habe in der Nacht.

Zum Glück ist es beim loslaufen trocken. Es geht stetig bergab bis ins enge Tal, die drei Häuser hier nennen sich passenderweise „Zwischbergen“. Denn sofort folgt auch wieder ein Anstieg von satten 700 Höhenmetern auf 4km. Der Anstieg scheint kein Ende zu nehmen, zunächst ein Pfad, schließlich endlose Treppenstufen. Oben angekommen sind wir vollkommen durchgeschwitzt. Zum Glück ist es nun nicht mehr weit zum Refugio Gattacosa, wo wir um halb 12 endlich frühstücken. Danach folgt ein langer Abstieg, und auch der angekündigte Regen setzt ein. Wir queren ein kleines Hochmoor. Immer wieder passieren wir auch die Laufstrecke eines heute stattfindenden trailrunner Wettkampfes „Skyrunner worldcup“, und bewundern wie diese Menschen hier, so steil bergauf und -ab und über Geröll noch Rennen können.

Pünktlich mit dem letzten Aufstieg des Tages fängt es dann richtig heftig an zu regnen. Erneut 700hm Anstieg. Wir werden patschnass, trotz dem Schwitzen bergauf fange ich an zu freieren. Und bin heilfroh als in dem dichten Nebel endlich das Rifugio Alpe il Laghetto auftaucht. Heiß duschen, überaus üppiges Abendessen -schließlich sind wir nun in Italien- und ein warmes Bett. Was will man mehr?

Tag 4. Rifugio Alpe il Laghetto – Antronapiana, 19km
In der Nacht haben wir erneut mit wilden Tieren gekämpft -eine Maus hat unser Studentenfutter gekapert. Morgens nieselt es noch heftig, die Tische draußen sind mit Hagel bedeckt. Doch pünktlich als wir abmarschbereit sind reißen die Wolken auf und die Berge erstrahlen wie saubergeleckt in kräftigen Farben.


Es geht auch heute einiges auf uns ab, aber das Panorama ist mehr als entschädigend, ringsherum hohe Berge, türkisblaue Seen, und sogar ein paar Steinböcke sehen wir. Und auch sogenannte Schwarznasenschafe, die müssen war ganz edles sein. Wird die Herde doch von 5 jungen Leuten bewacht die hier in Yurten den Sommer lang campieren und meterhoch umzäunt.


Es folgt ein letzter strenger Anstieg, dann geht es denn Rest den Tages bergab. Aber das ist in den Fall keine Erleichterung, denn der Weg ist steinig und steil. Dafür entlang eines tolles Tales bis zum Stausee. Danach nur noch endlos öde Straße, zwar ist es nur eine Stunde aber die zieht sich gefühlt ewig bis zum Ort Antronapiana. Unsere Füße schmerzen inzwischen heftig, wir kommen auf den Campingplatz und geniessen eine Dusche im schön verdreckten Waschraum. Egal. Die Strecke war toll heute, wenn auch wirklich anstrengend!
*Extratour*
Am nächsten Morgen hab ich starken Durchfall. Wir beschließen schließlich notgedrungen, vorerst den trail abzubrechen. Nach einem Regenerationstag schauen wir uns die Altstadt von Domodossola an, die nächst größere Stadt bei Antronapiana. Abgesehen von den nur die schnuckeligen Gassen und Marketständen ist auch das grandiose Eis und exzellenter Kaffee nicht verkehrt.

Am nächsten Tag machen wir eine Tageswanderung bei Visp (https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/schweiz/niwaerch-und-gorperi-wasserleitungen-in-den-waenden-des-baltschiedertals/59405679/). Es geht entlang der historischen Wasserleitungen „Niwärch und Gorperi“ (erbaut im 14. Jahrhundert!!), abenteuerlich entlang des Baltschiedertal, zu einem Bergschacht und Retour auf der anderen Seite. Sehr empfehlenswerte Strecke, wenn auch man etwas schwindelfrei sein sollte!!


Der letzte gemeinsame Urlaubstag wird ganz besonders. Wir fahren zum Gletscher Aletsch. Auf den Berg geht es mit der Gondel, nach 1.5h Fußweg sind wir am Start des UNESCO Höhenweges, der vom Eggishorn zum Bettmerhorn führt (https://www.outdooractive.com/de/route/bergtour/aletsch-arena/alpine-wanderung-unesco-hoehenweg-vom-bettmerhorn-zum-eggishorn/23155322/). Eine ganz schöne Kraxelei, als Alpine Wanderung-1 oder einfacher Klettersteig-A ausgeschildert, aber die Blicke auf den Gletscher sind einmalig, so etwas habe ich noch nie gesehen!! Ein gewaltiger Fluss aus Eismassen bedecken das gesamte Tal unter uns, durchzogen von tiefen Rissen und Scharten…

Danach wagen wir uns noch an einen Klettersteig, den wir jedoch nur bis zum Notausstieg laufen. Einfach zu steil der Abgrund unter mir! Zu guter Letzt rennen wir im rekordverdächtigen Tempo den Berg runter, um noch die Bahn ins Tal zu erreichen.

Tag 5. Gspon – Almagelleralp, 20 km
Kevin fährt nach Hause, sein Urlaub ist leider vorbei. Ich beginne meinen Weg wieder Mal ab Gspon, diesmal aber in die andere Richtung. Ich plane die restlichen 3 Tage unserer Tour von Gspon nach Antronapiana zu beenden. Der Weg beginnt einfach, immer an der Bergflanke entlang durch lichten Wald und Weiden. Ich komme gut voran, aber es ist seltsam, nun wieder alleine unterwegs zu sein. Niemand mit dem man den Moment teilen kann, sich austauschen kann, der einen piesackt und zum Lachen bringt. Den ganzen Tag begleitet mich die wunderbare Aussicht auf das Täschhorn- und Dom Felsmassiv und seine Gletscher. Nach ca einem Drittel der Strecke wird der Weg zunehmend beschwerlich, immer wieder sind große Geröllfelder zu queren. Da merke ich dann noch gut die Anstrengung in meinen Beinen von gestern. Bei der Talstation Kreuzboden mache ich kurz Pause. Ein riesiger Rummelplatz mit Bespassungsangeboten für Groß und Klein, vom Streichelzoo bis zur Downhill-Bike Strecke -ganz entspannt mit Rolltreppe bergauf. Nun sind es nur noch 2h bis zur Almagelleralp. Da hier Zelten verboten ist (Naturschutzgebiet), kehre ich heute Nacht hier ein. Als einziger Gast ist die Atmosphäre etwas seltsam.
Am nächsten Tag gibt es leider nur Regen. Der Almwirt rät mir dringend ab, bei dem Wetter den pass nach Antronapiana zu queren, schon gar nicht alleine. So beschliesse ich, damit dann doch auch schon meinen Urlaub zu beenden, es geht zurück nach Schaffhausen per Bus und Bahn.
Tolle Tour!
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