Es wird ein langer Tag, daher sind wir schon zeitig ab 8 Uhr auf den Beinen. Trotzdem sind wir unsicher, ob wir die gesamte geplante Stücke schaffen werden. Zunächst beginnt der Weg ganz entspannt sanft bergab über eine Schotterstraße. Nach nur 1,5 km erreichen wir die Passstraße, welcher wir dann ein paar Kilometer der Straße bergab folgen. Schließlich biegen wir auf den Trail ab. Am hier wird es den restlichen Tag überwiegend bergauf gehen. Wir laufen entlang der Bergflanke zunächst durch Wald, dann mit sehr schönen Blicken über offenes Gelände.

Wieder einmal ist es sehr heiß. Zur Mittagspause haben wir das Refugio Malga Moschesin eingeplant -und müssen zu unserem Ärger feststellen, dass es geschlossen hat. Wasser können wir so auch nicht nachfüllen. Weiter geht es bergauf. Zum Glück stoßen wir kurz vor dem Gipfel auf eine Quelle! Nun sind es nur noch wenige Kilometer bergab zum Refugio Sommariva Pamperet. Wie gönnen uns eine ausgiebige Pause. Denn danach steht der einzige Abschnitt der gesamten Tour an, der aufgrund von Steilheit und Schwierigkeit als „alpin“ gekennzeichnet wurde.
Zunächst beginnt der Weg noch ganz gemütlich. Bald haben wir die Schneegrenze erreicht und ziehen unsere Microspikes an. Zunächst bleibt der Anstieg einfach, im Schnee ist schon schön eine Spur getreten. Dann wird der Hang immer steiler, mein Paniklevel steigt im selben Maße. Immer wieder schweift mein Blick kritisch über die Hänge und ich fragte mich, wo der Weg weiter geht.

Bald wird mir diese Sorge genommen, den dicke Wolkem ziehen auf und die Blickweite begrenzt sich auf wenige Meter. Nach zwei Stunden haben wir den höchsten Punkt erreicht! Nun geht es steil bergab. In tip-top Schritten kriechen wir bergab. Schließlich geht der Schnee in Gras über, die Spikes können wieder ausgezogen werden. Hoffentlich zum letzten Mal! Aber Pustekuchen, leichter wird es dadurch nicht! In stellen Serpentinen geht der Weg weiter bergab, und Schotter und Felsblöcke sind eher noch rutschiger als der Schnee. Plötzlich gibt es vor mir einen Schlag, und ich sehe Kevin kopfüber den Steilhang herab rollen. So eine Scheiße! Nach zwei Meter Sturz kommt er zum Glück auf einem kleinen Grasabsatz zum liegen. Glück im Unglück! „Nur“ ein aufgerissener Daumen und ein angeschlagenes Knie. Notdürftig versorgen wir die Wunden, und es geht weiter.

Es ist nur noch ein Kilometer bis zur Hütte, aber so steil dass wir dafür eine geschlagene Stunde brauchen, und ich mehrere Herzinfarkte erleide. Gerade nach dem Sturz bin ich noch vorsichtiger geworden. Endlich gehen 8 Uhr erreichen wir das Refugio Pian de Fontana. Es ist ausgebucht. Aber wir dürfen auf dem Dachboden einer Hütte schlafen. Was für ein Tag!

Na, der Tag hatte es ja in sich. Gott sei Dank ist Dreamwalker in Erster Hilfe für gestrauchelte Hiker geübt. Hoffentlich kann man mit dem kunstvollem Verband noch gut klettern und -vor allem – gut sichern! Gute Besserung. Tolle Tour und ganz schön tough.
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