Um Viertel vor 2 kommen wir mit dem Auto in Cortina d‘ Ampezzo an. Den 2 Uhr Bus verpassen wir natürlich gerade. Dafür ist noch genug Zeit für ein Eis, bevor wir den 5 Uhr Bus nehmen. Wir wollen eigentlich nur im Refugio anrufen und Bescheid geben, dass wir sehr spät kommen werden, da heißt es „Nein, wir haben noch geschlossen, Sie haben für nächste Woche die Übernachtung gebucht…“ So ein Mist, Kalender lesen will gelernt sein Sanne! Doch es soll wohl nahe des Refugio eine Nothütte geben, in der wir schlafen könnten.
Nach diesem ersten Drama steigen wir um halb sieben am See Lago de Brailes aus dem Bus. Kein Wunder, dass der türkise See, eingerahmt von schroffen Bergen, ein Touristen-Magnet ist!

Danach geht es gnadenlos bergauf. Erst noch bewundern wir das Panorama, doch dann wird es wirklich anstrengend. Wir krabbeln einen Geröllhang hoch, stellenweise ist der Weg mit Eisenketten gesichert. Bis zum Refugio sind es nur 6,3 km. Aber wir haben überhaupt keine Kraft. Mag vielleicht am Schlafmangel (5h) oder zu wenig Essen (1 Brötchen plus Eis) liegen -aber natürlich nicht an mangelnder Fitness! 😜

Den letzten Rest Energie rauben uns die senkrechten Schneefelder, die ich mit dezent zitternden Knien hoch krieche. Um 9 Uhr fängt es an zu dämmern. Und vor und liegen noch ein paar Kilometer, aber auch einige Höhenmeter und Schneefelder. Langsam knicken auch unsere Kreisläufe ziemlich ein, der Kopf schwimmt. Doch wir finden eine passable Zeltstelle direkt neben dem Trail.

Heute wird hier wohl keiner mehr vorbeikommen. Wir würgen etwas Essen hinunter und kriechen müde in die Schlafsäcke. Alles ein bisschen viel! Und ich mache mir Sorgen, das Terrain (zu dieser Jahreszeit!) unterschätzt zu haben. Kommen wir das wirklich schaffen? Mal sehen… Aber auf jeden Fall eine traumhafte Landschaft!