6. Tag
Heute leisten wir uns zunächst frische Croissants, die wir am Fluss frühstücken. Ganz gemütlich folgen 5km den Fluss entlang, bisher die einzige Strecke, die eben ist.

Dann geht es auch schon den Berg hinauf. Bis zum Pass werden wir 1500 Höhenmeter am Stück ansteigen. Gewürzt wird die Strecke durch kleine Klettertouren an Felsen und Wasserfällen entlang.

Zum Glück liegt auf halber Strecke die Hütte Refuge de Souffles, wo wir lange pausieren. Der Weg wird immer anstrengender, insbesondere da wir nun über der Baumgrenze sind und die Sonne erbarmungslos auf uns brutzelt. Der Pass Col de la Vauze ist nur ein schmaler Grad, aber wir lassen es uns nicht nehmen hier zu Mittag zu essen. Der Abstieg ist fast noch anstrengender. Steil geht es ein Schotterfeld hinab, wir Angsthasen gehen im Schneckentempo. Doch auch später bleibt der Weg steil und unsere Knie knarzen gewaltig, schließlich wollen 1300 Höhenmeter bergab auf nur 4.5 km Strecke bewältigt werden.

Unten im Ort Le Desert en Valjouffrey angekommen ist es schon 6 Uhr, wir haben gerade Mal 17km geschafft. Wir suchen lange nach einer „wilden“ Zeltstelle, aber überall sind Ziegen und ihre kläffenden Hütehunde. So schleichen wir den Hügel wieder hinab ins Dorf, die Köpfe hängen fast auf unsern Knien. Plötzlich eine Mini-Schlange direkt unter Evas Füßen! Beide geraten in Panik, Eva hat wohl doch noch ein winziges bisschen Energie, steht plötzlich senkrecht und springt kreischend im Dreieck… Zum Schlafen landen wir bei der Herberge Gite d’etape, wo man für 5€pP im Garten zelten kann. Die Dusche entschädigt für den unglaublich anstrengenden Tag.

Das Hochgebirge gefällt uns unglaublich, die Berge sind wunderschön! Doch würden wir uns wünschen, wir würden nicht pausenlos du wahnsinnig steil hoch oder runterlaufen. So ist es schwer, die Umgebung wirklich zu genießen, ohne nur auf „das Ende“ des Auf- oder Abstiegs zu warten…
7. Tag
Als wir aufstehen hängen die Gipfel voll schwerer schwarzer Wolken und es fängt an zu tröpfeln. Es geht, wie soll es auch anders sein, steil ein Tal hinauf. Schon nach kurzer Zeit klart der Himmel auf, und wir können die Regenjacken wieder verstauen. Zum Glück, denn schon bald tropft nur so der Schweiß vom Gesicht. Mit „nur“ 1100 Höhenmetern und ohne Kraxelei sind wir schon bald auf dem Pass. Wir genießen das Panorama und quatschen mit den anderen GR hikern, die wir nun schon seit ein paar Tagen sehen. Auch der Abstieg ist heute einfach, sodass wir schon gegen 14 Uhr im Tal und an der offiziellen bivouac Stelle stehen. Nach nur 11 km können wir locker weiter laufen, doch dann stünde ein weiterer Pass an. Häufig ist durch die Topographie hier die Etappenwahl recht unflexibel und man kann sich nur entscheiden zwischen sehr wenig oder unglaublich tödlich viel. So bleibt noch Zeit in das Nähe gelegene Dörfchen zu laufen, bestehend aus 10 Häusern und einen Gite d’etape, wo wir uns Muffins gönnen. Auch können wir etwas Brot nach kaufen -ein Glück, da wir unser Proviant für diese Etappe von 3 auf 4 Tage strecken müssen.

8. Tag
Wir haben zum ersten Mal auf dieser Tour Cowboy-Camping gemacht, also ohne Zelt übernachtet. Eva hat jede Menge Sterne gesehen, ich hatte die Augen zu. Schon um acht Uhr stehen wir heute auf dem Trail. Bereits beim Aufstieg sehen wir die steile Schotterwand am Talende. Wir können es einfach nicht glauben, wie sollen wir diese fast senkrechte Wand hoch?

Als die Sonne endlich ins Tal blinzelte erheben sich in Sekundenschnelle dicke Nebelschwaden, die wild wirbelnd an den Felswänden aufsteigen. Ein wunderschönes und dramatisches Schauspiel!

Dann beginnt der Aufstieg, und ja es geht wirklich in engen Serpentinen die Schotterwand hoch. Dazu kommen Böen mit eisigem Wind, der uns den Berg runter schubsen wollen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir oben an, und sind Mal wieder heilfroh, nicht anders herum zu laufen. Hier runter gehen ist sicher kein Spaß.

Unser Abstieg hingegen wird recht entspannt, sodass wir pünktlich zum Mittagessen am See Muzelle sitzen. Ein herrlicher Blick auf die Berge, einen Gletscher und das tiefblaue Wasser, das in der Sonne funkelt. Wir beschließen, heute noch einen Pass zu queren. Der Aufstieg ist auch in einer Stunde erledigt, der Abstieg hingegen erweist sich immer mehr als Herausforderung. Schließlich kommen steile Kletterpassagen, gesichert durch Eisenketten zum Festhalten, mit Wanderrucksack eine Herausforderung… Am späten Nachmittag sind wir endlich unten und genießen noch ein erfrischendes Bad im See Lac Lauvitel!

9. Tag
Morgens ist das Zelt von der Kondensation klatschnass, aber es verspricht ja wieder ein sonniger Tag zu werden. Von unserem See aus geht es bis nach Bourg d’Oisans nur bergab. Zunächst über einen schönen Pfad entlang eines tollen Wasserfalls, später leider überwiegend den Radweg folgend, also auf Teer.

Schon um 12 Uhr stehen wir im Ort LeBourg d’Oisans! Eingerahmt von hohen Bergen wirklich ganz ansehnlich. Nach einem Mittagessen bummeln wir etwas durch die sehr touristischen Gässchen und gönnen uns die obligatorischen Schoko- Croissants. Dann müssen wir noch unsere Rückfahrt per Bus und Zug nach Lyon planen und ein Hostel in Lyon buchen. Das dauert… Schließlich heißt es noch einkaufen, in dem großen Casino-Supermarkt sind wir schon etwas überfordert von der wahnsinnigen Auswahl.

Dann wollen wir noch etwas weiter laufen, um nicht auf den völlig überteuerten Campingplätzen schlafen zu müssen. Wie kann es anders sein stellt sich der Aufstieg aus den Tal als richtige Klettertour heraus. Es wäre ja wohl auch kein richtiger GR45 Tag, wenn wir nicht wenigstens einmal in Drahtseilen hängen und um unser Leben zittern würden. Zur Abwechslung sind diesmal die Drahtseile halb durchgerostet und der „Pfad“ mit Dornen überwuchert.

Oben angekommen stellt sich heraus: Es gibt eine durchaus bequemere Alternativroute (großteils entlang der Straße). Aber wir klugen Sparschweinchen laufen ja nur nach GPS Track, und nicht mit dem offiziellen Guidebook.. ist ja so auch viel spannender! 😉 Es geht noch einige Kilometer durch Wald den Berg hoch, dann finden wir direkt hinter dem Ort Le Rosai an einem Hang den bisher schönsten Zeltplatz überhaupt: Mit Blick auf das 500m unter uns liegende Tal und die hohen Berge auf der anderen Seite, aus denen wir heute früh runter kamen. Was für ein Tag!

10. Tag
Auch heute früh können wir uns kaum aus dem Schlafsack pellen, es ist einfach zu schön im Schlafsack liegend die grandiose Aussicht zu genießen. Zunächst geht es leicht bergab zum Flüsschen La Sarenne, wo Überreste alter Mühlen romantisch verstreut liegen. Entlang des Flusses dann stetig sanft bergauf, in Vergleich zu den letzten Tagen ein wahrer Spaziergang.

Der Aufstieg zum Pass Col de Sarenne führt dann entlang der Straße, wo wir tausenden Radfahren begegneten. Scheinbar sind wir mitten in ein Radler-Event gestolpert. Mit e-Bikes sieht das ganze recht entspannt aus, die rot verzerrten Gesichter der Rennradfahrer sprechen da andere Bände… Wir hingehen beobachten eine ganze Weile einen Schäfer, der mit drei Hunden eine riesige Herde den Hang herabtreibt. Nach ein paar Pfiffen und Gesten rennen die Hunde mit Feuereifer in rasendem Tempo den Berg hinauf und treiben die Herde. Sehr faszinierend!

Danach geht es bergab bis in die hübschen Dörfchen Clavans le Haut und Clavans le Bas, wo wir auch Mittag essen. Dann geht es steil hinauf zum Ort La Besse. Es ist heiß, wir schwitzen arg. Auf den Armen bilden sich inzwischen immer wieder Pusteln durch Sonne und Schweiß. Doch La Besse ist schnell erreicht. Ein wirklich äußerst schönes Örtchen, vollkommen aus Bruchstein gebaut, überall Blumen. Wir gönnen uns ein Eis und eine Pause im Schatten.

Da es nun nicht mehr weit ist bis zu unserem Zielort La Grave gehen wir auch nur noch 10 Minuten weiter bis zum bivouac Platz des Ortes. Hier kann man für 5€ PP schlafen, es gibt einfache Sanitäranlagen, Schatten -und vor allem einen überaus verschmusten rot getiegerten Kater, mit dem wir sofort Freundschaft schließen!

11. Tag
Auch morgens ist Katerchen sofort wieder da und begleitet uns ein ganzen Stück den Berg hoch. Wir befürchten schon wir müssen ihn adoptieren, doch nach einer Weile verschwindet er mit kläglichem Maunzen im hohen Gras. Vier Kilometer geht es gut bergauf. Aber klein Grund zur Klage, schließlich ohne Eisenketten… Die Berge sind hier, auf der anderen Seite des großen Tals von Bourg d’Oisans, weniger schroff, sondern eher wie riesenhafte Hügel.


Ab dem Pass Col Saint Georges führt der Weg wunderbar über eine Hochebene. Einfaches laufen mit phänomenalem Blick auf die schroffen Berge hinter La Grave. Der ganze Höhenzug wird von einem Gletscher bedeckt. Diese Aussicht begleitet uns auch den Rest des Tages und ist ein wunderbares Abschiedsgeschenk.


Gegen 14 stehen wir dann wieder in La Grave, unserem Ausgangs- und Zielort. Nun gieren wir nach frischem Obst und einer guten Dusche. Doch der Supermarkt hat noch zwei Stunden Mittagspause, die Duschen des Campingplatzes werden gesäubert und erst im 3h geöffnet, welch Tortur!
Doch wir haben es geschafft! Es war eine anstrengender Tour, die steilen Pässe haben uns gerade zu Beginn eiskalt erwischt und physisch und psychisch ganz schön gefordert. Aber auch absolut wunderschön und erlebnisreich. In diese Gegend kommen wir sicher noch einige Male zurück…
Morgen geht es dann mit Bus und Zug nach Lyon. Dort wollen wir 1.5 Tage die Stadt erkunden und viele tolle Sachen essen, bevor es Samstag mit dem Flugzeug zurück nach Frankfurt geht.

Liebe dreamwalker,
Vielen tausend Dank für die schöne Zeit 🙂
Das nächste Abenteuer kann kommen…
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