1. Tag der leckeren Überraschung
In Wrightwood gehen wir, also die Franzosen und ich, am nächsten Morgen nochmal ausgiebig im Evergreen Cafe Frühstücken. Trotz aller guten Vorsätze schaffe ich es nach dieser riesen Portion Omelette nicht, an diesem Tag auch noch ein Mittagessen zu verdrücken.

Ich kaufe mein zweites Paar trail runner, die Sohle der Alten ist schon ganz schön abgelaufen. Auch erhalte ich 2 Päckchen: Meine Bouncebox, die ich mir voraus geschickt hatte und aus der ich endlich (!!!) meine Regenhose, Kocher und Microspikes nehmen kann. Und ein Paket von Lapsang und Footprint! Die beiden haben Speedy und ich letztes Jahr auf dem CDT kennengelernt. Das Paket ist proppenvoll gepackt mit Süßigkeiten jeder Art (getrocknete Mango!, vegane Gummibärchen!!), aber ich werde auch versorgt mit Vitamintabletten und Klopapier… Ich bin total gerührt und freue mich, Dank meiner „Longdistance-Trailangel“ nun umso mehr auf die nächste Etappe!

Zu Ehren von Freds 50 Geburtstag stoßen wir in der örtlichen Brauerei noch an. Nachmittags fahre ich per Anhalter wieder raus auf den Trail. Ich überspringe somit zu meiner Schande ganze 5 trailmeilen. Doch da ich vor dem für Sonntag angekündigten Unwetter den Berg Mount Baden Powell passiert haben will, aber auch zumindest einen halben Ruhetag brauchte, war das die einzige Lösung.
Es ist schön wieder aus dem Ort raus zu sein. Bei friedlicher Abstimmung laufe ich 2 Stunden durch lichten Kiefernwald bis zum Parkplatz am Fuße von Baden Powell, der übrigens nach den Begründer der Pfadfinderbewegung benannt ist! Hier campe ich mit einigen anderen Hikern, damit wir am Morgen früh loskommen. Meine erste warme Trailmahlzeit ist ein wunderbares veganes indisches Curry, das auch in dem Überraschungspaket war -ein Fest! Nachts wird es eisig kalt, ich teile daher meinen Schlafsack mit all meinen Elektrogeräten und dem Wasserfilter.
2. Tag des Berges
Da wir den schneebedeckten Berg besteigen wollen, solange der Schnee noch fest ist, geht es heute schon um halb 6 früh los. Der Aufstieg ist lang, denn es wollen über 1000 Höhenmeter erklommen werden. Schließlich erreiche ich die Schneegrenze und ziehe meine Microspikes über. Gott sei Dank habe ich die nun dabei, ohne wäre ein Weiterkommen für mich unmöglich! Der Weg ist schon nach kurzer Zeit nicht mehr zu erkennen, ich folge diversen Fußspuren. Die führen teilweise fast senkrecht den Berg hoch, es ist sehr anstrengend, und ich Angsthase muss so einige Male über meinen Schatten springen, und darauf vertrauen, dass mich Wanderstöcke und Mikrospikes schon halten werden.

Endlich ist die Spitze erreicht. Was für eine Aussicht, unglaublich schön! Die Bäume sind in ein Kleid aus glitzernden Eiszapfen gehüllt, ringsherum auf Augenhöhe blau schimmernde Berge. An Baden Powell angelehnt sind noch ein paar kleinere Gipfel zu erklimmen, dazwischen noch zwei knackige Schneefelder. Neben meinen Füßen geht es steil ins Tal herab, bevor ich das sah kam ich gut voran, nun zittern mir doch etwas die Knie.

Aber danach ist es geschafft, der Rest des Weges ist überraschenderweise schneefrei. Hier begegnen mir auch jede Menge Tagestouristen, die Nähe zu Los Angeles macht sich bemerkbar. Leider sind nun auch einige Meilen Straße zu bewältigen, da der eigentliche Trail zum Schutz einer „bedrohten Art“ gesperrt ist. Der kurvige aussichtsreiche Highway wird scheinbar gerne als Rennstrecke für Sportwagen und Motorräder genutzt – jedenfalls fühle ich mich bald durchaus auch als bedrohte Art! Nach einem langen anstrengenden Tag erreiche endlich den anvisierten Campingplatz. Was erwartet mich hier? Eine Horde von ca 50 Boy Scouts (Pfadfinder) plus Betreuer, die hier ein riesen Lager aufgeschlagen haben.

Ich bin zu müde zum weiter laufen, so krieche ich mit einigen anderen ziemlich verstörten PCT-Hikern in eine abgelegene Ecke. Noch beim Abendessen beginnt es zu regnen, ich falle nach einem ereignisreichen Tag müde in den Schlafsack.
3. Tag des Schneesturms!?
Ich wache auf als mir das Kondenswasser sanft vom Zelt ins Gesicht tropft. Draußen gießt es in Strömen. Ich bleibe noch eine Stunde liegen. Endlich regnet es etwas weniger. Ich packe zusammen. Es beginnt es heftig zu schneien. Genial. Aber jetzt ist es zu spät, ich ziehe mich warm an und stiefele los.

Nach einer halben Stunde hört es auch auf zu schneien. Ich laufe zügig, ab mittags soll ein Schneesturm aufziehen, bis dahin möchte ich einige Meilen geschafft haben, sodass ich mein Zelt aufbauen kann. Nebel und Wolken im Wechsel, ungemütlich aber OK.
Der Weg führt durch sanfte Hügel und ehemalige Waldbrand Gebiete. Mittags kommt die Sonne raus! Ich laufe und laufe, bis um 17 Uhr das angekündigte schlechte Wetter aufzieht. Die Hiker rasen in Scharen den Berg hinunter, um vor den Sturm in tiefere Lagen zu kommen. Ich und 10 andere Hiker bauen grade noch unsere Zelte illegaler Weise auf einem Rastplatz auf, als Wind und Regen loslegen. Mein Zelt steht halbwegs windgeschützt, direkt hinterm Plumpsklo. Im warmen Schlafsack sitzend mit heißem Kakao zum Trinken ist so ein Sturm aber ganz OK…
4. Endlich Sonne
Wieder Mal packe ich ein triefnasses Zelt ein. Doch heute soll das Wetter endlich besser werden. Morgens ist es bitterkalt, ich laufe zwei Stunden, bis es warm genug ist um fürs Frühstück anzuhalten. Ab 10 Uhr kommt die Sonne raus, Wärme! Nun kann ich auch endlich den phänomenalen Ausblick auf die umliegenden Hügel und Berge genießen.

Mittags komme ich zur Ranger Station. Hier sammeln sich die Hiker, denn man kann Snacks und Getränke kaufen. Ich sehe auch einige wieder, mit denen ich an der Grenze gestartet bin (Tiptap, Mockingbird, Creamer, Haze…). Nun geht es nur noch bergab, mit absolut wunderbaren Ausblicken auf die rotgoldenen Berge. Einfach unglaublich schön, ich genieße die Strecke sehr. Auch die abendliche Zeltstelle ist sehr idyllisch an einem Minicanyon gelegen.
5. Der Graben
Heute sind es nur 15 Meilen bis zum legendären Hiker Heaven. Dort möchte ich mittags ankommen, denn ab dann ist, wer hätte das gedacht, Mal wieder Regen angesagt. Deshalb laufe ich früh los, es geht viel bergauf. Die rotgoldenen Berge, die ich gestern noch aus der Ferne bestaunt habe, sind heute zu queren. Der Himmel wird immer schwärzer.

…doch es bleibt zum Glück trocken. Schließlich erreiche ich die tollen Felsformationen der Vasquez Rocks, die durch Aufwerfungen des San Andreas Grabens entstehen. Eine tolle Gegend, die auch als Kulisse, für unzählige Filme gedient hat, zb Star Wars.

Im Ort Aqua Dulce angekommen gönne ich mir erst Mal eine dicke Pizza. Danach laufe ich zum Hiker Heaven. Ein Trailangel Pärchen stellt hier jedes jahr den ganzen Sommer über sein Grundstück Hikern zur Verfügung zum Zelten, außerdem kann man Duschen, Wäsche waschen, mit den unzähligen Hunden spielen und sich ausruhen.

Hier bleibe ich eine Nacht. Es ist schön sich auszuruhen, und viele bekannte Gesichter wieder zu sehen. Am nächsten Tag werde ich nachmittags wieder weiter ziehen.
4 Wandertage+ 1 Nero, 85 Meilen
Footprint and Lapsang, this is for you: What a unique and great idea to send a package to Dreamwalker. You are those people who makes the world a better place. Thanks so much. Love, Speedy
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Hey Dreamwalker,
Vielen Dank für die tollen Berichte! Möchte am liebsten auch wieder los 😉 Es ist echt spannend deiner Wanderung zu folgen und gleichzeitig alte Erinnerungen aufzufrischen 🙂
Und dabei zu sehen wie der gleiche Weg doch so unterschiedlich sein kann, bin total überrascht wieviel Schnee und schlechtes Wetter du dieses Jahr hast…
Wünsche dir weiterhin ganz viel Spass auf dem Trail! Geniesse es!
Happy Trails
Anchor
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Hi anchor! Freue mich dass es dir gefällt! Ja dieses Jahr hat es in sich… Bald in Kennedy meadows, mal sehen wie’s dann weiter geht. Ich hoffe dir geht es auch gut? Schon neue hiking Pläne? Liebe Grüße aus Tehachapi, Dreamwalker
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Nein, ich habe leider keine konkreten hiking Pläne, jedoch viele Ideen 🙂 doch momentan fehlt mir die Zeit diese umzusetzen…
Wünsche dir weiterhin viel Spass 🙂
Happy Trails!
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Hey Dreamwalker so happy you received our package and it sounds just like in time. You’re encountering crazy weather out there and it’s good to have a little magic waiting for you once in a while ;). We can’t wait reading about the Sierras, be safe out there!!
Love LaFoo
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Yes it was amazing, again to you so much! Lots of love from Bishop.. Dreamwalker
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To Speedy: Thank you Speedy, that is most kind of you to say 🙂 We just want to give back a tiny portion of what we have received in our journeys. And we want to make sure Dreamwalker stays well fed and happy so we can live vicariously through her blog! We hope that you are finding plenty of time for adventures as well and we look forward to sharing some delicious mate soon!
Love, LaFoo
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