3. Idyllwild – Big Bear Lake

1. Tag des Wiedersehens

Mittags hitche ich zurück zum Trail. Direkt erwartet mich ein königlicher Empfang: eine Schulklasse hat als Ausflug Trail-Pflege gemacht, und gerade als sie drüber reden was der PCT eigentlich ist, komme ich vorbei spaziert. Da muss ich natürlich alle neugierigen Fragen beantworten… Danach geht es stetig bergauf, schließlich will der Berg San Jacinto bestiegen werden.

Ich ruhe mich gerade an Wegrand aus, da kommt Apple daher marschiert, ein netter Israeli, den ich schon bei Frodo und Scout kennen gelernt hatte. Wir freuen uns beide sehr und laufen den Rest des Tages zusammen. Nachts stürmt es unglaublich und wird eisig kalt.

2. Tag der verlorenen Verfolgungsjagd

Laut Wettervorhersage soll es heute ab Mittags Unwetter geben. Ich gehe daher schon früh los, zunächst hängt noch alles in den Wolken und es ist kalt.

Vom Nebel verzaubert

Die Strecke ist sehr sehr anstrengend, es geht weiterhin bergauf, ich schaffe nur halb soviel Strecke pro Zeit wie sonst. Der Weg ist spannend, oft führt der Pfad direkt am Berghang oder den Kamm entlang und ist mitten in den Fels reingehauen.

Wer sieht den trail?

Ich renne wie der Teufel, denn mir sind ständig dicke schwarze Wolken auf den Fersen. Ab 14 Uhr holen sie mich ein, es fängt an zu schneien. Meine Regenhose ist leider noch in der Bouncebox -weil „it never rains in California, right?!“. So improvisere ich gekonnt mit einem aufgeschnittenen Müllsack als Regenrock. Klappt ganz gut. Fix und fertig schlage ich schon um 16 Uhr das Zelt auf.

3. Tag des Abgrunds

Als ich aufwache ist alles in eine zarte Decke Neuschnee gehüllt, dazu scheint munter die Sonne, wunderschön! Der Rest des Landes, also alles außer dem Berg, ist unter einer dicken Wolkenschicht versteckt. Was für ein Anblick! Nun bin ich froh über das Unwetter gestern…

Über den Wolken

Ich muss noch bis auf 8800 feet aufsteigen. Die Spitze des Mount San Jacinto besteige ich allerdings nicht, da oben noch alles dick im Schnee liegt und auch meine Microspikes noch in der Bouncebox sind. Doch auch der anstehende Abstieg auf der Nordseite des Berges ist gar nicht ohne. Auch hier liegen noch große Stellen des Trails unter verharrschten Schneeflächen versteckt. Rechts geht es steil den Berg runter, so gut es geht hacke ich mit meinen Schuhen Stufen in den Schnee. Langsam langsam krieche ich vorwärts.

Wie immer: auf den Fotos sieht’s halb so wild aus.. 😉

Sehr bizarr ist der Anblick der staubtrocken Wüste tief unter mir, da ich gerade auf meterhohen Schnee stehe. Endlich lasse ich diesen hinter mir. Nun folgen endlose Serpentinen den Berg hinunter. Auf halber Höhe schlage ich schließlich das Zelt auf. Wieder einmal stürmt es in der Nacht heftig.

4. Tag des Sturms und der Ameisenflut

Endlich macht der Wind mal Sinn: unten im Tal steht ein riesiges Heer von Windmühlen. Bis dahin sind noch ganze 6 Meilen (3h) an Serpentinen zu bewältigen. Das Tal scheint gar nicht näher zu kommen, doch irgendwann ist es geschafft. Kaum betrete ich die Ebene, schon fegt es mich fast von den Beinen -was für ein Wind!!

In der Ferne sehe ich den Highway, darauf steuere ich zu. Erst kommt der Wind seitlich. Die letzten Kilometer führen durch ein altes Flussbett, mit Tiefsand und Gegenwind trete ich buchstäblich fast auf der Stelle. Endlich endlich bin ich an der Unterführung des Highways angekommen. Hier empfängt mich eine herrliche Windstille, und trailmagic! Wasser und eine hikerbox, an der ich mich redlich bediene -meine Essensvorräte waren extrem knapp kalkuliert. Nun komme ich bald in die Berge der anderen Talseite. Wunderschöne weitläufige mit trockenen Gras bewachsene Bergketten, erinnern mich an die neuseelandischen Alpen.

Schließlich komme ich zum Whitewater River. Grade möchte ich endlich mein Zelt aufschlagen, da ergießt sich urplötzlich aus einem Loch im Boden eine wahre Flut kleiner schwarzer Ameisen! Ein nicht abreißender Strom wimmelnder kleiner Leiber. Schnell ziehe ich 10 Meter weiter. Habe mein Zelt wunderschön aufgebaut, sorgfältig sturmsicher verspannt -da sehe ich die Ameisenkolonne direkt auf das Zelt zuströmen! Unglaublich aber wahr. Die dritte Stelle, die ich an diesem Abend aussuche, bleibt schließlich ameisenfrei…

5. Tag der nassen Füße

Heute früh laufen Intrepid und Youngheart durch mein camp. Das trifft sich gut, denn es geht direkt nach den Aufstehen durch den Whitewater River. Er hat einige Strömung, aber mit gemeinsamer Suche können wir eine gute Stelle finden. Nun geht es einige Meilen über Hügel mit phänomenalen Aussichten auf die Berge, San Jacinto gerade noch sichtbar. Auch kann ich hier einige ziemlich coole neue Blumen entdecken!

Der Rest des Tages wird bestimmt durch den Mission Creek. Ihm folgt der trail für 13 Meilen. Trail?? Naja, durch eine „Jahrhundertflut“ ist der in den meisten stellen völlig verschwunden. Also eine sehr anstrengend Aneinanderreihung von Flussquerungen (21x), durch Unterholz kriechen, und über Steine kraxeln. Aber abwechslungsreich, keine Frage… Abends an der Mission Creek Quelle geschlafen.

Trail! Ausnahmsweise…

6. Tag des Nichts

Morgens im Nebel loslaufen. Der ganze Tag eine Suppe, Nebel, Wolken, Regen, ein Hauch Sonne, Regen, Nebel. Ein echtes Highlight ist da eine Orange, die als trailmagic in einer Tüte am Wegesrand hängt. Ein Hochgenuss! Sonst wenig gesehen, kaum Pausen gemacht, und so meinen bisherigen Highscore von 26 Meilen aufgestellt!

Am nächsten Morgen muss ich so nur noch 10 Minuten zur Straße laufen, und runter zur Stadt Big Bear Lake hitchen. Hier werde ich eine Nacht im Hostel verbringen.

110 Meilen, 5.5 Wandertage


3 Gedanken zu “3. Idyllwild – Big Bear Lake

  1. Wow that sounds like a heck of an adventure! Intense weather on trail! That’s crazy … Hope the Sierras are melting down before you set foot on them. Lapsang and I will definitely follow along, have fun – love Footprint

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