Oben in Julian ist fiesestes kaltes Nieselwetter, zum Glück ist es unten im Tal auf dem Trail trocken. Der Weg führt immer an der Flanke einer Bergkette entlang. Es stürmt wieder mal unglaublich. Ein wenig Schutz bieten die Einschnitte in der Bergflanke, in die man immer wieder reingeführt wird. Dafür ist die Aussicht auf das Tal und die noch im Regen hängenden Berge auf der anderen Seite toll.

Eigendlich sollte das ja mein Ruhetag sein, da mache ich „schon“ nach 10 Meilen Schluss und habe so noch viel Zeit, um mein Zelt sturmsicher aufzubauen. Die Mühe wird belohnt, es steht diesmal wie eine Eins.
Am zweiten Tag sind es nur 5 Meilen bis zum nächsten water cache. Hier stellen Trailangel regelmäßig Kanister mit Wasser hin, damit die Durststrecken für uns nicht zu lang sind.

Von hier aus geht es lange lange bergab, bis ich schließlich in die Ebene hinab steige. Endlich raus aus dem irren Wind! Ein riesiger Teppich wogendes rotes Grasland wartet auf mich, wunderschön!

Eigentlich will ich nach 18 Meilen an einer tollen Zeltstelle am Fluss schlafen, aber es ist erst 4 Uhr nachmittags und mir wird schon bald langweilig. Ich laufe weiter und komme am bekannten „Eagle Rock“ vorbei. Nun gibt’s keine guten Zeltstellen mehr. Also Zähne zusammen beißen und weitere 4 Meilen in Angriff nehmen. Ich bin hundemüde, aber ich werde belohnt durch eine wunderbare Abendstimmung.

Am nächsten Morgen komme ich in das mini Kaff Warner Springs. Das hiesige Community Centre bietet seine Sanitäranlagen und eine kleine Auswahl an Lebensmitteln zum Verkauf an. Außerdem ist hier gerade der „mobile Outdoor-laden“, der der hiker Masse nach Norden folgen wird. So kann ich direkt meinen zerbrochenen Löffel ersetzen. Ich treffe einige Hikerfreunde wieder -sogar einen alten Bekannten vom CDT letztes Jahr, Cruise-, und mache mich nach ein paar faulen Stunden wieder auf den Weg. Die Strecke geht abwechslungsreich durch ein schmales Flusstal, es gibt viel Schatten. In Acht nehmen muss man sich hier vor „poisonous oak“, ein Busch dessen Blätter schlimmen Hautausschlag verursachen. Aus den Tal raus geht es den Rest des Tages stetig bergauf. Es ist warm und ich laufe nur noch stumpf vor mich hin. Erst gegen Abend werde ich aus meinen Trott gerissen: ich komme durch ein riesiges Feld von gelb-roten Steinquadern, dazwischen alles voll blühender Büsche, um die unendliche Insekten und auch Kolibris brummen. Der bisher schönste Abschnitt der Wanderung. Ich zelte zwischen den Steinen. Was für ein toller Tagesabschluss!

Am vierten Morgen komme ich schon bald an „Mark’s place“ vorbei. Der wohnt in einer chaotischen Bude mitten im Nirgendwo, in der Hauptsaison zelten um das Haus herum täglich 50 Hiker. Ich komme gerade noch rechtzeitig, um ein paar Pfannkuchen abzustauben zum Frühstück.

Die Landschaft wird nun immer wüstenmäßiger, viele Kakteen, wenig Schatten, und ein unglaublich heißer Tag. Ich habe viel zu wenig Wasser mit, da eine Wasserstelle nicht nutzbar ist, muss ich 18 Meilen mit 2 Litern auskommen.

Total groggy komme ich am späten Nachmittag bei „Mary’s place“ an. Sie hat eine wunderbare Oase gebaut, mit Trinkwasser, schattigen Bänken, einer bucket-shower, plumpsklo, und sogar eine kleine Bücherei! Hier bleibe ich, wie so viele andere auch, sodass es ein geselliger schöner Abend wird. Tagsüber laufe ich meistens alleine, treffe aber inzwischen immer wieder die selben Leute. Abends bin ich dann meist ganz gerne auf den populäreren Zeltstellen, sodass ich in Gesellschaft Abendessen kann, und man sich über die Erlebnisse des Tages austauschen kann.

Am fünften Tag sind es nur noch 2 Laufstunden bis zum Highway und zum Paradise Cafe, wo wir erstmal ausgiebig frühstücken. Danach hitchen wir in den netten Ort Idyllwild. Hier kann ich mich endlich duschen und ausruhen, bevor es dann in der nächsten Etappe in die richtigen Berge geht!
74 Meilen, 3 volle Tage plus 2 Neros (nearly zeros)
Superschöne Bilder. Da will man direkt mitlaufen. Mary’s Place ist ein wahrer Hikertraum
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