Es geht wieder los…

Entweder man geht einen, oder alle…“, so sagt man über die amerikanischen Langstrecken-Wanderwege. Also entweder man hat nach einem halben Jahr wandern die Nase voll und macht sowas nie wieder -oder es hat dich nun erst richtig gepackt!

Der PCT (Pacific Crest Trail), 4279 km

Wenig verwunderlich also, dass ich bereits auf dem CDT mit dem Gedanken spiele, auch den PCT zu laufen. Viele Wander-Freunde, die wir auf dem CDT treffen haben nämlich zuerst den PCT begangen, und von dessen Schönheit geschwärmt.

Klar ertönen überall die Vernunftstimmen (zugegebenermaßen nicht nur durch wohlmeinende Freunde und Verwandte, sondern auch in meinem eigenen Hinterstübchen): „Jetzt nach Beendigung des Studiums wirst du aber sicher mal endlich anfangen, mit dem richtigen Leben, brav arbeiten gehen, dir eine Zukunft aufbauen!?“ Hmmm.. ich hatte auf dem CDT die beste Zeit meines Lebens …habe gerade noch genug Erspartes, um mir 6 Monate wandern erlauben zu könne… und wer weiß, wann sich wieder die Gelegenheit bietet?

Lange Rede kurzer Sinn: Es geht wieder los! Diesmal aber alleine, Speedy (meine Mutter und Trailpartnerin auf dem CDT) wird nicht mitkommen. Am 22.04.2019 startet mein Flieger (Frankfurt – Seattle – San Diego). Dann verbringe ich 2 Tage bei den berühmten Trailangeln Frodo und Scout in San Diego, und laufe am 25.04. an der Grenze von Mexiko und Californien los.

Der PCT (Pacific Crest Trail) ist wohl der bekannteste der „großen 3“ amerikanischen Langstreckenwanderwege, neben dem AT (Appalachian Trail) und dem CDT (Continental Divide Trail). Wie der CDT verläuft er auch von der mexikanischen bis an die kanadische Grenze, dabei werde ich die Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington durchwandern. Der PCT ist mit 2668 Meilen/ 4279 km etwas kürzer als der CDT, und soll auch etwas leichter begehbar sein.

Meine Reisevorbereitungen sind noch in vollem Gange, es gilt noch zu planen, wo ich voraussichtlich einkaufen und Pakete hin schicken möchte, wie die Regionen beschaffen sein werden (Topographie, Wasser, Wetter…) und noch diverse „Verwaltungsaufgaben“ (Vollmachten für Konto etc schreiben…). Auch soll es noch eine Trainingswanderung geben, hierfür werde ich den Eifelsteig laufen (Aachen-Trier, ~300km), zusammen mit Speedy. Dabei kann ich auch meine „neue“ Ausrüstung testen. Wirklich neu sind eigentlich nur Zelt (yey!!!) und Schuhe, gebraucht-neu sind Rucksack und Wanderstöcke, die mir Speedy ausleihen wird…

Ich freue mich unglaublich, bald wieder unterwegs zu sein, jeden Tag laufen, jeden Tag neue Landschaften entdecken und wunderbare neue Leute kennen lernen… Ein wenig Bauchkribbeln habe ich aber auch! Wie wird es sein, wenn ich erstmal alleine unterwegs bin? Werde ich nette Leute mit einem ähnlichen Laufstil kennenlernen, sodass wir auch mal längere Etappen teilen können? Wie wird es ein, Entscheidungen alleine treffen zu müssen? Speedys Vorsicht auf dem CDT hat mich zwar manchmal fast zur Weißglut getrieben, aber wohl auch einige Male davor bewahrt, mich mit meinen Sturkopf in ungute Situationen zu befördern. Sehr unsicher bin ich auch, wie ich mit dem Schnee zurecht kommen werde. Auf dem CDT hatten wir nur 30% Schnee (100% bedeutet ein durchschnittliches Schneejahr), nun liegen in den High Sierras (also ab nach 700 Milen= ca 6 Wochen) in Kalifornien bereits 160%!

Mein Plan ist, mich in den schwierigen Etappen mit Schnee-erfahreneren Hikern zusammen zu tun (es soll angeblich für weibliche solo-Hiker nicht soo schwer sein, da jemand zu finden 😉 ). Und sonst heißt es wohl: Abwarten und Tee trinken, bis der Schnee schmilzt und ich alleine weiter kann.

Aber insgesamt bin ich deutlich weniger nervös, als letztes Jahr vor dem Start des CDT. Denn egal ob ich es schaffen werde oder nicht, es wird sicher wieder eine unglaubliche Zeit!


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